Spiesserglück

Janácek: Die Ausflüge des Herrn Broucek Trier / Theater

Opernwelt - Logo

Die Janácek-Renaissance geht weiter: Seine Opern erobern sich nach und nach den Platz, der ihnen im Repertoire gebührt, und das gilt nicht nur für «Jenufa». Auch kleinere Häuser mischen mit. Selbst vor einem lange als überkompliziert geltenden Stück wie «Die Ausflüge des Herrn Broucek» machen sie nicht mehr halt. Nun hat das Theater Trier sich an die verschachtelte Gesellschaftssatire getraut – und kann einen Erfolg zur rechten Zeit verbuchen: Nach den bislang eher zwiespältig ­aufgenommenen Opernproduktionen unter der neuen Intendanz von Karl M.

Sibelius ist der Regisseurin Jasmina Hadziahmetovic mit «Broucek» eine durchdachte, publikumsfreundliche Inszenierung gelungen.

Mathias Broucek (in Trier wird die deutsche Fassung gegeben) ist der unfreundliche Typ von nebenan. Sein Horizont reicht nicht viel weiter als bis zur Wölbung seines prallen Bauchs. Ein Spießer, der sich selbst auf Traumreise treu bleibt – ob es nun zum Mond geht oder ins frühe 15. Jahrhundert, die Zeit der Hussiten-Kriege. Stets hat Broucek nur das eigene Wohlergehen im Sinn. Die Szenenwechsel erfolgen in Trier ohne großen Aufwand, gleichsam poetisch reduziert: Zunächst lernen wir Broucek in einer Hütte kennen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Claus Ambrosius

Weitere Beiträge
Repertoiretauglich

Die Geschichte der Opera buffa setzt bekanntlich mit den ­komischen Intermezzi ein, die in den Pausen ausladender heroischer Opern gegeben wurden. Pergolesis «La serva padrona» ist ein Modellfall der Gattung. Aber auch «Pimpino-ne» wird in der Version von Telemann (1725) noch heute gelegentlich gespielt. Allerdings ist diese deutsche Variante nichts anderes als ein...

Heimgeholt

Sein oder nicht sein? Das ist an GöteborgsOperan nicht die Frage. Stephen Langridge, seit zwei Jahren künstlerischer Kopf des Musiktheaters, lässt für die schwedische Erstaufführung von Ambroise Thomas’ «Hamlet» verschiedene Varianten des ­Endes spielen. Als Thomas seine Antwort auf Gounods «Roméo et Juliette» 1868 an der Pariser Opéra herausbrachte, ging der...

Wogender Schwung

Die Avantgarde bröckelt manchmal schneller, als man gucken kann. Valencias Opernhaus, dem Palau de les Arts Reina Sofía, musste keine zehn Jahre nach der Eröffnung 2005 eine neue Keramikhaut übergezogen werden – ob der Werkstoff dieses in Beton gegossenen architektonischen Hüftschwungs des Baumeisters Santiago Calatrava sich überhaupt eignet, wo Wind und...