Wogender Schwung
Die Avantgarde bröckelt manchmal schneller, als man gucken kann. Valencias Opernhaus, dem Palau de les Arts Reina Sofía, musste keine zehn Jahre nach der Eröffnung 2005 eine neue Keramikhaut übergezogen werden – ob der Werkstoff dieses in Beton gegossenen architektonischen Hüftschwungs des Baumeisters Santiago Calatrava sich überhaupt eignet, wo Wind und salzhaltige Meerluft die expressive Bauskulptur umtosen, wird sich zeigen. Wichtig ist, was drinnen passiert.
Seit gut einem Jahr ist mit der Berufung von Davide Livermore als Nachfolger der nach Korruptionsvorwürfen entlassenen Intendantin Helga Schmidt (die, als die öffentlichen Gelder noch sprudelten, internationalen Glanz an die Costa del Azahar gebracht hatte) wieder Ruhe eingekehrt. Trotz geschrumpfter Etats will Livermore sozial und in die Gesellschaft wirken, da gleicht er den meisten Chefs deutscher Stadttheater: «Kultur ist kein Luxusgut, sie ist die Grundlage unserer Zivilgesellschaft. Und genau das will ich den Politikern und Menschen der Region klarmachen», sagte er kürzlich einer Regionalzeitung. Künstlerisch bleiben die Ziele hochgesteckt.
Und bei der jüngsten Premiere, Mozarts «Idomeneo», hat er mit der Position des ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Götz Thieme
Nimmermüde
Pfingsten steht Salzburg im Zeichen von Romeo und Julia. Und Festspielchefin Cecilia Bartoli schenkt sich zum 50. Geburtstag eine Mädchenrolle: In Bernsteins «West Side Story» ist sie als Maria zu erleben.
Nimmerschwer
Im Barockfach hat Anna Caterina Antonacci ihre Karriere begonnen. Eigentlich hoffte sie auf die schweren Verdi-Partien. Heute weiß die...
Zu den Schlüsselwerken von Hans Werner Henzes neuem Vokalstil nach seiner Übersiedlung nach Italien Mitte der 1950er-Jahre gehört die 1958 entstandene «Kammermusik» über Hölderlins Hymne «In lieblicher Bläue» für Tenor, Gitarre, Klarinette, Fagott, Horn und fünf Streicher. Der Komponist beschwört in diesem dreiviertelstündigen Werk, dem er später noch einen...
Die Geschichte der Opera buffa setzt bekanntlich mit den komischen Intermezzi ein, die in den Pausen ausladender heroischer Opern gegeben wurden. Pergolesis «La serva padrona» ist ein Modellfall der Gattung. Aber auch «Pimpino-ne» wird in der Version von Telemann (1725) noch heute gelegentlich gespielt. Allerdings ist diese deutsche Variante nichts anderes als ein...
