Spätes Debüt
Er kann nicht fassen, was um ihn herum geschieht. In Anna Viebrocks plastikmöbliertem, viel zu großem Vergnügungszelt. In Christoph Marthalers drückend geschäftiger Verlierergesellschaft, die nun wieder auf der Riesenbühne der Bastille Schicksal spielt. Zum ersten Mal seit 2008, als Gerard Mortier, damals noch Intendant der Pariser Opéra, diesen «Wozzeck» auf den Weg brachte (OW 5/2008). Nun, im April 2017, ist Johannes Martin Kränzle die traurig irrende Gestalt aus Bergs Musikdrama.
Ein Getriebener, halb Kellner, halb Kapo, mit scheuer, verzweifelter, latent aggressiv bebender Stimme. Endlich kann Kränzle sich erstmals in jene Herzensrolle versenken, die er schon vor einem Jahr in Frankfurt singen wollte, wegen einer schweren Erkrankung aber absagen musste (OW 1/2017). Und hält sogar das jugendliche, mäßig opernaffine Publikum der Avant Première bis zum letzten, vom Mord an Marie (Gun-Brit Barkmin) blutenden Ton in Bann. Ein Triumph.
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Albrecht Thiemann
Wann sind Sie Ariadne zum ersten Mal begegnet?
2014, in meinem letzten Jahr an der Opernakademie Kopenhagen. Ich habe einige Nummern für die Abschlussprüfung und in einem Konzert gesungen.
War das damals eine Wunschpartie?
Ich kannte «Ariadne auf Naxos» gar nicht, habe bei Null angefangen, bin an der Hochschule jeden Takt mit meiner Lehrerin Susanna Eken...
Das Bild Neda Agha-Soltans, die bei einer Demonstration im Juni 2009 in Teheran starb, wurde zur Ikone der «Grünen Revolution». Der aus dem Iran stammende Komponist Nader Mashayekhi machte die von Milizen erschossene Studentin zur Titelgestalt seiner Oper «Neda – der Ruf», die – 2010 am Theater Osnabrück uraufgeführt – nun am Pfalztheater Kaiserslautern ihre...
58. Jahrgang, Nr 6
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