So schlüpfen Stars
Eine knappe Woche vor dem großen Tag fiel die Entscheidung. Kein Anruf bei den Agenturen, keine Fahndung nach einem prominenten Ersatz für die an Lungenentzündung erkrankte Vesselina Kasarova; stattdessen ein Gespräch mit der zum Ensemble gehörenden Mezzosopranistin Tara Erraught. Ein Risiko, gerade im nach Namen lechzenden München: Erraught, die 24-jährige Irin, hatte Bellinis Romeo weder gelernt noch als Cover die Proben verfolgt. Doch ihre Biografie ist schon mit Premierenerfahrung geschmückt.
Gerade war sie noch Elevin im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper, schon durfte sie eine urkomische «Liebestrank»-Gianetta singen, zuletzt das Kind in Ravels «L’Enfant et les sortilèges». Während sich außerhalb des Nationaltheaters enttäuschte Fans vorab in Häme und Kritik überboten, paukte Erraught drinnen die neue Partie. Das Ergebnis, nach einer atemlos verfolgten Premiere von «I Capuleti e i Montecchi» inklusive heftiger Ovationen: So schlüpfen Stars.
Dass Tara Erraught noch auf dem Weg zur «fertigen» Sängerin ist, weiß die so selbstkritische wie ironische Irin selbst. Die tiefe Lage muss sie sich noch erobern und vollkommene Sicherheit in der Attacke gewinnen; die erste Arie litt ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Markus Thiel
Es ist eine Aura um sie. Wann immer man ihr begegnet – etwa beim alljährlichen Sängertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn, das sie regelmäßig besucht –, ist man gefesselt von dem Charme, von der Vitalität, die sie ausstrahlt. Kaum zu glauben: Inge Borkh, eine der legendären Gesangstragödinnen des vorigen Jahrhunderts, wird am 26. Mai 90 Jahre alt.
Früh...
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George Steel, Generaldirektor und Intendant der New York City Opera, traut sich was. Gleich drei anspruchsvolle Stücke der klassischen und zeitgenössischen Musiktheatermoderne hat er zum Vorzeigeprojekt des Frühjahrprogramms erklärt: «La Machine de l’Être», ein kurzes, von Antonin Artauds Zeichnungen inspiriertes Stück des New Yorker Komponisten und...
