Seufzer und Wachsblumen
Es gibt, wie man weiß, die unterschiedlichsten Seufzer. Jene leichten, sehnsuchtsvollen, die «Schlittschuh auf nächtlichem Eis» laufen, wie Christian Morgenstern dies suggeriert. Jene anderen, tief befriedigenden. Und dann auch jene, die sich der Brust schwer entringen, weil sie einen Einschnitt bedeuten, eine Wende im Leben. Ottavia nimmt in Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» auf diese Weise Abschied von Rom. Nikolaus Harnoncourt wollte dies nie gesungen haben, sondern gestammelt, fast erstarrt – als Ausdruck der Unfähigkeit, das Wort «addio» über die Lippen zu bringen.
In ihrem neuen Monteverdi-Album singt Magdalena Kozená das zwar, doch mit einem Ausdruck, der dem Hörer die Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Interessant ist, dass sie sich in Dynamik und Agogik ansonsten sehr genau an die Vorgaben des Dirigenten beim Zürcher Monteverdi-Zyklus zu halten scheint.
«L’incoronazione di Poppea» bei den Wiener Festwochen 2000 bedeutete ja auch den internationalen Durchbruch für Magdalena Koze-ná – sie sprang für Anne Sofie von Otter ein, nicht als Ottavia freilich, sondern als Nerone, und unter Marc Minkowski. So ist dieses Monteverdi-Album so etwas wie eine Heimkehr der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Gerhard Persché
Einst riet Richard Wagner dem nach Bayreuth gereisten Friedrich Nietzsche, er solle die Augen schließen und die Musik nur hören. Zu gern wäre man dieser Empfehlung bei der Hamburger Premiere von Rossinis «Guillaume Tell» gefolgt. Denn gegenüber der angestrengt um Gegenwartsbezüge bemühten szenischen Einrichtung von Roger Vontobel (seine erste Opernregie) und...
Seit August 2007 wird in Luzern über den Bau einer Salle Modulable, eines flexiblen Raums für (neues) Musiktheater diskutiert. Die Idee geht auf Pierre Boulez zurück. Boulez, der 2004 die Lucerne Festival Academy gründete und bis kurz vor seinem Tod leitete, hatte nicht nur eine Dynamisierung der Beziehung zwischen Bühne(n) und Zuschauer im Auge, ihm ging es vor...
Der 1837 geborene Hans Sommer war eine Doppelbegabung: erfolgreicher Naturwissenschaftler und Komponist. Erst mit Ende 40 hängte er seinen Direktorenposten an der TU Braunschweig an den Nagel, um sich ganz der Musik zu widmen. In den letzten Jahren hat man peu à peu damit begonnen, Sommers Werke wiederzuentdecken. Beim Hören der jetzt in Gera aufgeführten...
