Sein und Schein
In der Avenue Montaigne ist die Welt noch in Ordnung. Fünf-Sterne-Hotels, Nobelkarossen, Edelboutiquen von Chanel bis Louis Vuitton – ein Boulevard des Luxus und der Moden. Die Tristesse der Banlieues ist weit weg, das süße Leben zum Greifen nahe. Bei Valentino, gleich neben dem Bühneneingang des Théâtre des Champs-Élysées, kostet die Abendrobe für die anspruchsvolle Dame knapp vierzehntausend Euro. Die Schaufenster sind perfekt gestaltet, raffiniert ausgeleuchtet – Guckkästen eines am Goldenen Schnitt orientierten savoir vivre.
Selbst ein Laie in Sachen Haute Couture ahnt sogleich: Hier sind nicht Material und Arbeitsaufwand die Hauptquelle der Wertschöpfung, sondern ein imaginärer Zauber, eine Aura ostentativer Exklusivität, welche aus Waren kostbare Kunstwerke macht. Ich glänze, also bin ich.
Der Geist des Ästhetizismus hat in Paris nicht nur hochmögende Schneider im Griff. Das Interesse am erlesenen Stil, an der erhabenen Form – für Modisten natürlich die geschäftliche raison d’être – ist auch in jenem (groß)bürgerlichen Milieu anzutreffen, das in Frankreich nach wie vor den Diskurs über Gesellschaft, Politik und Kultur dominiert. Es geht dabei nicht bloß um Fragen des guten ...
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Herr Alagna, Ihr letztes Solo-Recital war eine Hommage an den Sänger und Schauspieler Luis Mariano, der in Frankreich eine Legende, bei uns aber kaum bekannt ist.
Das stimmt. Man muss ihn in Deutschland erst noch entdecken. Er war eine außergewöhnliche Person, er hat ein Genre, einen Stil kreiert. Eigentlich wollte er Opernsänger werden, hat das Konservatorium in...
In der Oper geht es zu wie im wirklichen Leben: Die meisten lügen, dass sich die Balken biegen, die wichtigen Dinge geschehen hinter den Kulissen, wer Dreck am Stecken hat, verbirgt den Stecken, und die Intriganten handeln ganz selbstlos in höherem Interesse.
Der Berliner Staatsopernintendant Peter Mussbach hat das in seiner Mailänder «Don Giovanni»-Inszenierung,...
Während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gehörte es am Teatro Colón zum guten Ton, dass moderne Opern aus Italien oder Frankreich binnen eines Jahres nach ihrer Uraufführung in Europa auf die Bühne kamen. Neue Werke deutscher Herkunft wurden in Buenos Aires allerdings nur selten aufgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich das Bild, der Kurs des...
