Sehnsuchtsbilderbogen

Janácek: Das schlaue Füchslein Dresden / Semperoper

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Er atmet schwer, der alte Mann. Einen weißen Leinenanzug hat er angelegt. Als werde es bald Frühling oder Sommer in seinem leeren Lebensabendbunker. Schlurft hierhin, dorthin, hält inne, horcht und blinzelt, ob sich was regt im Halbdunkel zwischen den anthrazitgrauen Wänden. Aber es bleibt still. Kein Laut, nirgends. Nicht mal der schüttere Herbstlaubregen, der aus dem Schnürboden rieselt, macht ein Geräusch. Doch dann, plötzlich, leuchtet eine Kammer auf, hinten, wo eben noch nur Beton war. Ein junger Fuchs schaut heraus, ein wenig scheu, aber quicklebendig. Der Alte glaubt es kaum.

Ein Traum?

Frank Hilbrichs Dresdner «Füchslein» ist tatsächlich ein Traum. Kopfkino voller Melancholie. Der Sehnsuchtsbilderbogen eines Menschen, der sein nahes Ende fühlt. Wehmutsszenen der Erinnerung an frischere Tage, als das Wünschen noch geholfen hat. Als er sich noch gespürt hat, der ­altersweiße Mann, Janáceks Förster. Das stumme Vorspiel weist den Weg – nicht in ein märchenhaftes «Waldidyll» mit putzigen Felltieren und Federvieh, sondern ins schwache Herz dieses Kauzes, der – ein letztes Mal? – die Geister seiner Vergangenheit herbeifantasiert. Vor allem die junge Frau mit der flammenden Mähne, ...

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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Albrecht Thiemann

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