Seelenschau statt Staatsaktion
Es ist das alte Spiel: «Hab mich ein bisschen lieb, dann wird aus mir doch noch ein anständiger Kerl», sagt er zu ihr. «Dafür hole ich dir die Sterne vom Himmel und lege dir die Welt zu Füßen.» Sie spürt eigentlich, dass es ihm nur um sich geht, erliegt aber schließlich doch seiner dunklen Faszination. Nur: Wir sind in der Oper, weshalb sie am Ende stirbt und von Engeln in den Himmel getragen wird. Während er in der Hölle bleibt, aus der er kommt.
«Der Dämon» heißt das Opus von Anton Rubinstein, das nach der Uraufführung 1875 am Petersburger Mariinsky Theater lange zu den beliebtesten Bühnenwerken in Russland wie im Westen gehörte, wo Rubinstein nicht nur als Klaviervirtuose bekannt war, sondern auch einige deutschsprachige Opern komponiert hatte. In Westeuropa zeigten zuletzt die Bregenzer Festspiele den russischsprachigen «Dämon» (1997); für eine erneute Serie haben sich nun das Gran Teatre del Liceu in Barcelona, die Opéra National de Bordeaux und das Staatstheater Nürnberg mit der Moskauer Helikon-Oper zusammengetan, deren Gründer und Leiter Dmitri Bertman Regie führte. Den Stoff entnahm Rubinstein einer gleichnamigen Erzählung Mikhail Lermontovs, die sich ganz auf den Spuren ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Michael Stallknecht
Das sind so Einfälle ... Im Brautgemach, als für Elsa und Lohengrins Glück schon alles zu spät ist, steht in der Mitte ein Riesenwecker auf fünf nach zwölf. Die beiden nehmen dann aber die Zeiger ab, mit dem einen wird Lohengrin gleich den eindringenden Telramund erstechen. Vorher aber versteigen sie sich in einem Fundus einwandfrei deutscher Kultur. Goethe,...
Natürlich haben die Großen der Musikwissenschaft sein «Ave Maria» verachtet. Was Charles Gounod da mit seiner 1854 veröffentlichten «Méditation sur le célèbre prélude de Bach» gemacht hat, ist purer Kitsch, die Versetzung des Gebets in die Sphäre der Salonmusik, rügt Carl Dahlhaus. Theodor W. Adorno nennt das Stück in seinen «Musikalischen Warenanalysen» gar eine...
Dass der zeitgenössische Kunstmarkt eine Finanzblase für hysterische Spekulanten sei, gehört fast schon zu den Allgemeinplätzen. Die einen bringen dort Haie in Formaldehyd oder diamantbesetzte Totenköpfe für Millionen an den Sammler, die anderen anscheinend kleine leuchtende Würfel. Cardillac heißt der Künstler, der diese Würfel am Salzburger Landestheater unter...
