Schwebungen zwischen Leben und Tod
Gleich mit zwei neuen Stücken bereicherte Georg Friedrich Haas die vergangene Spielzeit: Im November 2015 stellte Londons Royal Opera House «Morgen und Abend» auf ein Libretto von Jon Fosse vor, koproduziert mit der Deutschen Oper Berlin. Im Mai 2016 folgte in Schwetzingen und kurz darauf in Darmstadt «Koma» nach einem Text von Händl Klaus, die «Uraufführung des Jahres». Klangräume von ungeheurer Sogkraft entwirft auch der japanische Komponist Toshio Hosokawa, zuletzt mit seinem im Januar 2016 an der Hamburger Staatsoper herausgekommenen Fukushima-Requiem «Stilles Meer».
Beeindruckt hat nicht zuletzt der junge Tscheche Miroslav Srnka: Ihn zog es an den «South Pole» – das prominent besetzte Projekt wurde, gleichfalls im Januar, an der Bayerischen Staatsoper angeschoben.
Sein Faible für Mikrotonales begann früh, bereits während der Studienjahre bei Ivan Eröd, Gösta Neuwirth und Friedrich Cerha in Graz und in Wien: Der eigenwillige Komponist Georg Friedrich Haas empfand die übliche Unterteilung der Oktave in zwölf äquidistante Schritte bald als Beschränkung seiner klanglichen Fantasie. Historische Studien machten ihn nicht nur mit Alois Hába und Ivan Wyschnegradsky vertraut, den ...
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Opernwelt Jahrbuch 2016
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 46
von Reinhard Kager
So votierten unsere Leser
Aufführung des Jahres: Verdis «Macbeth» in Zürich (Teodor Currentzis/Barrie Kosky)
Regisseur des Jahres: Barrie Kosky
Bühnenbildnerin des Jahres: Rebecca Ringst
Dirigent des Jahres: Kirill Petrenko
Sänger des Jahres: Jonas Kaufmann, Anja Harteros
Opernhaus des Jahres: Bayerische Staatsoper München
Ärgernis des Jahres: Die Sanierungsfälle...
Im Jahr 2013, da war die Komische Oper Berlin für ihre erste Saison unter seiner Leitung gerade zum «Haus des Jahres» gewählt worden, sagte Barrie Kosky im Interview mit dieser Zeitschrift, auf der Bühne müsse «nicht immer alles bunt oder schrill sein», es stimme keineswegs, dass «überall Pailletten funkeln» und «Lederkerle herumlaufen» müssten: Die deutsche...
Wenn man ein wenig faustisch angefixt ist, wird man in Karlheinz Stockhausens erster «Licht»-Oper, dem «Donnerstag», unschwer die gute alte Goethe-Konstellation wiedererkennen. Es geht um den Gottes- und Menschensohn Michael und um Luzifer, sein Alter Ego und Gegenspieler; dazwischen Eva, «die Frau» – mal Mutter, mal Geliebte, jedenfalls ausgleichendes Element....
