Ekaterina Scherbachenko in Lyon; Foto: Theater/Bertrand Stofleth
Schuld (und Sühne)
Der Tag des Zorns, er ist auch der Tag der Tränen. Und der berührenden Momente. Während sie gemeinsam mit dem Chor das b-Moll-triste «Lacrimosa» anstimmt, kommt die Sopranistin Ekaterina Scherbachenko wie ein Schatten aus dem Hintergrund nach vorne, Blumen des Todes in den Händen, und tritt an einen schlichten Holzsarg. Begleitet durch sehnsuchtsreiche Einwürfe von Flöte, Oboe, Klarinette und Englischhorn, verharrt sie dort eine Weile in schier unermesslichem Leid.
Das nicht geringer wird, wenn die Musik nach fis-Moll moduliert und ein Mann (der Tenor Paul Groves) hinzutritt, erst in stummer Verzweiflung, dann mit den Worten des Dichters Wilfried Owen: «Move him, move him into the sun.»
Ein Requiem als Musiktheater? Es gibt hinreichend Beispiele für die These, dass eine Verdoppelung durch szenische Aktion unnötig ist, und ebensoviele Beispiele für die These, dass gerade eine (hoffentlich beglaubigte) Handlung dem tönenden Gedenken eine wichtige Note hinzufügen könne. Yoshi Oidas Inszenierung von Benjamin Brittens «War Requiem», das dieser 1962 anlässlich der Wiedereröffnung der von nationalsozialistischen Bomben zernichteten St. Michaels Kathedrale von Coventry komponierte («in ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Jürgen Otten
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