Liebe ist keine Möglichkeit: Jonas Kaufmann (Don Carlos) und Elīna Garanča (Eboli); Foto: Theater/Agathe Poupeney
Schrille Prosa, stille Poesie
Stéphane Lissner, Herr über die Opéra national de Paris, musste lange bangen um seine vielleicht wichtigste Premiere in dieser Saison. Die Ankündigung von Massenstreiks gegen die Reformpolitik des neuen Präsidenten Emmanuel Macron drohte das große Ereignis platzen zu lassen. Doch schließlich blieb die Opéra Bastille verschont, zogen Tausende Demonstranten eine Stunde vor Beginn der Aufführung in mehr angeregt-karnevalesker als dezidiert finsterer Stimmung an dem Haus vorbei.
Zur selben (Nachmittags-)Zeit pilgerten unauffällige Scharen gutbürgerlicher Besucher ins Innere des Musentempels. Anberaumt war der (inklusive zweier Pausen) viereinhalbstündige, bis auf das Ballett ungekürzte «Don Carlos» von Verdi – in der französischen Version also, ein spätes Haupt- und Glanzstück der Grand Opéra.
Es handelt sich hier um ein leidenschaftliches Liebes- und Freundschaftsdrama, das vor dem allgegenwärtigen Hintergrund eines kirchlich geknebelten Zwangsstaates spielt, der zwischen kolonialem Reichtum und drohender Auflösung ins Taumeln gerät, mit einem zwischen politischer Realität und ideologischer Illusion vagierenden Herrscher. Dieser Felipe II. gehört zu den tragischen Geschichtsfiguren – ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Hans-Klaus Jungheinrich
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