Schönheitssucher, Künstlerfürst, Veränderer

Hans Werner Henzes Lebensleistung ist umfassend in mehrfachem Sinn. Musiktheater spielt darin eine große Rolle. Wenige Monate nach seinem 86. Geburtstag ist der große Komponist in Dresden gestorben.

Opernwelt - Logo

Biografisch-kalendarische Parallelen verweisen manchmal – über den puren Zufall hinaus – auf fundamentale Analogien oder Gegensätze. Wenn nun der hundertste Geburtstag von John Cage und der Tod von Hans Werner Henze so nahe beieinander liegen, so lässt dies über etwaige Zusammenhänge reflektieren. Wobei evident scheint, dass beide Komponisten so epochale wie polare Erscheinungen waren. Und rasch ist man mit der Zuschreibung bei der Hand: Cage sei eben typisch «amerikanisch» gewesen, also unkompliziert und kaum durch Traditionen geprägt.

Ganz falsch ist dies zwar nicht; doch wer Amerika ein wenig kennt, wird gemerkt haben, dass es dort weit mehr historische Regelwerke und Konventionen gibt, als man gemeinhin annimmt. Und nicht wenigen, die da meinten, mit angeblich yankeehafter Unbekümmertheit auftreten zu sollen, war ein bitteres Erwachen beschieden. Gerade bei Cage gibt es eine nicht zu unterschätzende genuin europäische Komponente, futuristische und besonders dadaistische Einflüsse. Trotzdem bleibt Cages Credo bestehen: Jeder sollte das Recht haben, so wenig wie möglich beeinflusst zu werden. Zumindest das Übergewicht des 18. und 19. Jahrhunderts galt es für ihn zu relativieren.

V ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Nachruf, Seite 54
von Gerhard R. Koch

Weitere Beiträge
Vive la périphérie!

Erst kommt die Hauptstadt. Dann kommt erst mal gar nichts. Danach die Grande Nation. Und irgendwann der Rest der Welt – vielleicht. Ein bisschen Louis Quatorze und Napoléon Bonaparte, ein Hauch Sonnenstaat und Premier Empire steckt nach wie vor in den zentralistisch gepolten Köpfen der französischen Elite. Deshalb laufen auch mehr als zwei Jahrhunderte nach der...

Mythen-Staatsaktion

«Wie kann Babylon klingen?», hatte der Komponist Jörg Widmann sich selbst im Gespräch gefragt, mit einem Schuss Vorfreude und etwas Beklommenheit. Gemeint waren: die irrealen Klangbilder der mythischen Stadt zwischen Euphrat und Tigris zum einen, die realen Klänge der eigenen Oper zum andern. Lauter Rätselklänge? Schwierig und herausfordernd genug deren Entstehung:...

Fritz ist Franz

Das ist das Faszinierende an Franz Schreker: wie er in seinem «Fernen Klang» die Handlung und ihr Transportmittel eins werden lässt. Präziser: Die Musik befördert das Geschehen und ist zugleich sein Gegenstand. Das setzt sich bei der ersten französischen In­szenierung überhaupt an der elsässischen Opéra national du Rhin fort: Marko Letonja lässt in seiner ersten...