Vive la périphérie!
Erst kommt die Hauptstadt. Dann kommt erst mal gar nichts. Danach die Grande Nation. Und irgendwann der Rest der Welt – vielleicht. Ein bisschen Louis Quatorze und Napoléon Bonaparte, ein Hauch Sonnenstaat und Premier Empire steckt nach wie vor in den zentralistisch gepolten Köpfen der französischen Elite. Deshalb laufen auch mehr als zwei Jahrhunderte nach der Revolution die Fäden von Politik, Wirtschaft und Kultur noch immer in Paris zusammen. Das ist die gefühlte Wahrheit. Mit anderen Worten: Wer nach ganz oben will, muss in die Kapitale, auf den französischen Olymp.
Wer es «nur» in der Provinz schafft, hat es nicht geschafft.
Nehmen wir Nicolas Joël. Der gebürtige Pariser hat an den großen Häusern Europas und Amerikas inszeniert und fast zwei Jahrzehnte lang das schmucke Théâtre du Capitole geführt. Vermutlich das einzige Musiktheater, das in einem Rathaus spielt. Doch leider steht es nicht an der Seine, sondern an der Garonne – in Toulouse, der viertgrößten Stadt Frankreichs. Vor dreieinhalb Jahren folgte Joël deshalb mit Kusshand einem Ruf an die Opéra National, um das kapriziöse Pariser Publikum zu besänftigen, das sich immer wieder über den antikulinarischen Stil Gerard ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Albrecht Thiemann
Drei Jahrhunderte überspannt diese Anthologie von Schubert-Liedern – die erste Aufnahme, das «Ave Maria» mit der ansonsten nicht bekannten Edith Clegg, entstand 1898, die letzte, «Du liebst mich nicht» mit Kate Royal, 2010. Insgesamt versammelt die voluminöse Kassette, einschließlich der drei Zyklen, 440 Aufnahmen von fast hundert Sängerinnen und Sängern. Als diese...
Das ist das Faszinierende an Franz Schreker: wie er in seinem «Fernen Klang» die Handlung und ihr Transportmittel eins werden lässt. Präziser: Die Musik befördert das Geschehen und ist zugleich sein Gegenstand. Das setzt sich bei der ersten französischen Inszenierung überhaupt an der elsässischen Opéra national du Rhin fort: Marko Letonja lässt in seiner ersten...
Ein Psychodrama von großer Brisanz, ausgefochten von drei hochkarätigen Protagonistinnen – so bietet sich die neue Lübecker «Elektra» dar. Der Ort: ein Kellerraum im Hause Agamemnon, unwirtlich, karg möbliert (Ausstattung: Hartmut Schörghofer). Hierhin hat sich Elektra zurückgezogen und die Tür vermauert, für Chrysothemis und Klytämnestra erreichbar nur durch eine...
