Schöner Schein
Jacques Offenbach widerlegte Theodor W. Adorno bereits vier Jahrzehnte vor dessen Geburt: Schließlich beweisen seine Operetten, dass es sehr wohl ein «richtiges Leben im falschen» gibt. Zumal das «Pariser Leben» ja nur so vor Täuschungen durch Masken, Kostümierungen und Dekorationen strotzt, die im provinzadligen dänischen Ehepaar von Gondremark (Heike Wittlieb und Jörg Sabrowski loten am Theater Kiel die Fallhöhe ihrer Figuren grandios aus) freilich keinerlei Enttäuschungen hervorrufen.
Das Gespann spielt selbst dann noch begeistert mit, als es den ganzen Lug und Trug immer deutlicher durchblickt, mit dem Bobinet und Gardefeu es zu foppen versuchen. Das französische Freundespaar steckt schließlich einfach Vertreter der niederen Gesellschaftsschichten in die feschen Klamotten der Aristokratie, gaukelt den naiven Nordlichtern vor, in einer Dépendance des Grand Hotels zu logieren und mit ihresgleichen zu verkehren, um sie nach Kräften um ihre Barmittel zu bringen und zudem bei der Baronin sexuell zu punkten. Was wollte da das wahre Leben des dunklen dänischen Alltags zählen, wenn das volle Vergnügen des erfüllten Augenblicks in der Hauptstadt von Lust und Laster lockt?
Stephan ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Peter Krause
Ein Märchen ist’s, der Titel verrät es. Aber eines, das wohl nur diejenigen kennen, die nicht nur mit Puschkins großen Poemen «Eugen Onegin», «Pique Dame» und «Poltawa», sondern zudem mit den kleineren Schöpfungen dieses großartigen Schriftstellers vertraut sind. Wladimir Iwanowitsch Belski – jener Literat, der späterhin auch Nikolai Rimski-Korsakows Opern «Die...
Frau Aristidou, wenn man die Fotos betrachtet, die es von Ihnen gibt, fällt auf, dass diese sehr unterschiedlich sind. Besitzen Sie mehrere Identitäten?
(lacht) Ich glaube, nicht. Es kommt darauf an, in welchem Augenblick die Fotos gemacht wurden, in welcher Stimmung ich gerade war. Aber eigentlich bin ich immer derselbe Mensch – wobei die Fotos, die vermutlich am...
Ihr Glanz und ebenso ihr Elend ist hinreichend, mit staunenswerter Grandezza beschrieben worden. Und nicht erst im gleichnamigen Roman warf Honoré de Balzac im Frankreich des Bürgerkönigs Louis-Philippe, der nach der Julirevolution 1830 auf den Thron gespült worden war, einen liebevoll-strengen, zugleich zarten Blick auf die Kurtisanen von Paris. Schon im parallel...
