Schöne neue Sachlichkeit

«Chowanschtschina» unter Michael Boder und Stein Winge – ein DVD-Mitschnitt aus Barcelona

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Auch wenn Mussorgsky seine «Chowansch­­tschina» weder instrumentieren noch beenden konnte (das Finale des 2. Bildes und der Schlusschor fehlen): Ein zusammenhang­loser Bilderbogen aus Versatzstücken russischer Geschichte, wie oft behauptet, ist diese dicht gefügte, aber mit Shakespeare’scher Personenvielfalt gesegnete Tragödie über den Putsch und Fall der Fürsten Chowanski im 17. Jahrhundert (nichts anderes bedeutet der Titel) nicht.

Vier Parteien ziehen am selben Strang, wenn auch in unterschiedliche Richtungen: die Altgläubigen, die unter ihrem Führer Dossifej Widerstand gegen die Verstaatlichung des Glaubens in einer zaristischen Zentralkirche leisten; ihr konservativer Sympathisant Iwan Chowan­ski, der mit seiner Schlägermiliz der wachsenden Zentralgewalt der Romanows Einhalt zu gebieten versucht und sich, gestützt auf reaktionäre Kräfte, Hoffnungen auf den Thron macht; der prowestliche, proreformerische Minister Golyzin, der im Zweifelsfall bereit ist, sich auf die siegreiche Seite zu schlagen; schließlich der von keinerlei Skrupeln oder Ideen behinderte Aufsteiger Schaklowitij, der sich nicht öffentlich exponiert, sondern durch Denunziationen aus dem Hinterhalt das Zarentum ...

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Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: DVDs, Seite 72
von Boris Kehrmann

Vergriffen
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