Schluck aus der Pulle
Oldenburgs Theater ist für eine Spielzeit aus der Innenstadt gezogen. Nach draußen, aufs freie Land. Dort, in einem seit Jahren stillgelegten Fliegerhorst, hat man eine ehemalige Flugzeugwartungshalle für ein hübsches Sümmchen umgebaut, sie sozusagen entmilitarisiert und theatralisiert, ihr dabei unter anderem eine Zuschauertribüne, einen Orchestergraben und eine breit ausladende Bühne verpasst. Dort spielt man, während das historische Große Haus renoviert wird, Oper, Schauspiel und Tanztheater.
Unter größtem Publikumszuspruch, wie die Intendanz in einer Pressemitteilung kürzlich verkünden ließ. Was für die Oper nicht zuletzt an der hervorragenden Akustik liegen mag, die sich mit einem aufgefächerten Orchesterklang und klar darüberliegenden Gesangsstimmen bietet.
Grund genug, Wagner zu wagen. Und tatsächlich erlebte man in der «Walküre» einen Hörgenuss von beachtlicher Qualität. Das Orchester unter dem musikalischen Oberleiter Thomas Dorsch (das Theater hat sich nach dem Weggang von Alexander Rumpf immer noch nicht für einen neuen GMD entscheiden können) klang sängerfreundlich bei den zahlreichen Parlando-Stellen des Werkes und blühte bei den emotionalen Höhepunkten auf, ohne ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhart Asche
Eines kann man über den neuen «Ring» an der Bastille schon jetzt sagen: Beim französischen Publikum stößt er auf vehemente Ablehnung. Wie schon bei «Rheingold» und «Walküre» gab es auch im «Siegfried» eine von Wagner eigentlich nicht vorgesehene Rolle, den Buh-Chor. Dabei bietet Günter Krämers Inszenierung keinerlei echte Provokationen, vielmehr werden die Stärken...
Kein Regisseur ist schlecht beraten, den «Ring des Nibelungen» vom Ende her zu denken. Wagners gewaltige Tetralogie endet ja nicht einfach mit einer der opernüblichen, kleinen zwischenmenschlichen Katastrophen; sie stellt ganz unbescheiden die Frage nach der Zukunft einer Gesellschaft vor dem Hintergrund von deren absolutem Niedergang.
David McVicar gelangt an der...
«Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrücken können, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche», ätzte Karl Kraus. Jeder Schreibende mag sich bei dieser Attacke zunächst an die eigene Nase fassen. Doch nirgendwo passt sie treffender als auf die Autobiografien prominenter Mitbürger, wo Geschwätzigkeit oft als klug-charmante Plauderei verkauft...
