Solo für Dagmar
Wer sämtliche sieben Todsünden benennen kann, kriegt einen Schnaps! Diese Spielregel wäre perfekt als Anleitung für einen alkoholfreien Abend. Denn: Keiner kann es. (Erhöhter Schwierigkeitsgrad: Man sage sie auf Lateinisch.) Dies feststellend, hat man den Sprengstoff, der in Brecht/Weills letzter Zusammenarbeit von 1933 noch immer beschlossen liegt, präzise am Wickel. Das «Ballet chanté», eigentlich eine Kurzoper, wurde von Georges Balanchine mit Lotte Lenya und einer Tänzerin uraufgeführt, die sich die Hauptrolle der schizophrenen Anna teilten.
Sie muss alle sieben Todsünden zugleich begehen und auch verdammen. Denn – so die dialektische Konzeption – Tugenden können wir uns in unserer korrupten Gegenwart nicht mehr leisten. Vormalige Todsünden sind zur stärksten Waffe des modernen Kapitalismus avanciert. Also: Bitte mehr Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid und Faulheit! Als so katholisch versuppt und verdorben wir indes die Todsünden als abgehangene Ideologien abgeschoben haben, so bedenkenswert wären sie heute. Oder sind Hochmut, Zorn und Völlerei nichts Schlechtes?!
Regisseur Barrie Kosky schlägt alle Inszenierungs-angebote des Textes unlustig aus. Er versteckt sich ganz ...
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Opernwelt April 2012
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Kai Luehrs-Kaiser
Elisabetta, Mimì, Desdemona – alles melancholisch umflorte Damen. Fühlen Sie sich manchmal nur einseitig gefordert? Würden Sie gern mal richtig komisch sein?
Die stimmlichen Voraussetzungen lenken einen ja in eine gewisse Richtung. Gut, die «Idomeneo»-Elettra ist nicht so umflort. Auch Mozarts Gräfin hat Witz. Aber mir machen all diese melancholischen Rollen Spaß....
«Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende», lautet der 13. Vers des 22. Kapitels der Offenbarung des Johannes. Auf ihn bezieht sich der Titel «… 22,13 …», den der 1964 in Paris geborene Mark Andre seiner 2004 entstandenen «Musiktheater-Passion» gegeben hat. Andres Apokalypse ist eine leise. Eine extrem leise sogar – mit vielen...
Die Premiere wurde live auf BR Klassik übertragen und stand unter keinem guten Stern: Beide alternierenden Solistinnen für die Rolle von Wilhelm Tells Sohn Jemmy waren indisponiert. Michaela Maria Mayer spielte immerhin, aus dem Graben sang Einspringerin Claudia Braun, die aber nicht alle Arien der fast immer anders gekürzten Oper kannte, so dass im Schlussakt...
