Scham und Schändung
Zwangsherrschaft à la Scarpia ist ohne kirchlichen Segen nicht denkbar, die unheilvolle Allianz von politischer und religiöser Unterdrückung mündet geradewegs in eine mit sexuellen Obsessionen angefüllte Folterkammer – wie jenen kurzlebigen faschistischen Reststaat von Salò, den wir aus Pier Paolo Pasolinis Film «Die 120 Tage von Sodom» kennen.
Das jedenfalls ist die Matrix, auf der Regisseur Rafael R. Villalobos Puccinis berühmteste Oper ansiedelt.
Künstlerattitüde und unreflektierten Kinderglauben an Kirche und Staat zunächst noch mühelos miteinander vereinbarend, stürzen für die von Scarpia Drangsalierten die institutionellen Lügengebäude geistlicher und weltlicher Herrschaft bald in sich zusammen. Entsetzt realisiert Tosca, wie sich die Vertreter von Klerus und staatlichem Repressionsapparat mit Rollenspielen vergnügen, bei denen Ministranten als Lustknaben herhalten müssen und ausgesuchte Torturen die sexuelle Gier der Täter stimulieren. Auch der Tyrann befriedigt sein sadomasochistisches Verlangen mittels Folter und Erpressung. Wenn er die Diva zur Domina umzufunktionieren sucht und diese die Gelegenheit beim Schopf packt, um ihren Peiniger zu erstechen, ist das nur die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2021
Rubrik: Panorama, Seite 37
von Michael Kaminski
Was heute als «rechts» verunglimpft werde, sei für ihn schlicht normal, äußerte Mitte Juni der soeben zum neuen Parteiobmann der Freiheitlichen gewählte österreichische Politiker Herbert Kickl. Den nicht rechts verankerten Fernsehzuseher mag die Hemmungslosigkeit dieser Äußerung überrascht haben und an Bertolt Brechts Arturo Ui denken lassen. Apropos: Als «One-man...
Die Wolfsschlucht liegt neuerdings an der Seine. Jedenfalls, wenn man sie an den tiefgründigen Sounds misst, die – bei allem spukhaft fabulierten Freikugelzauber – ihr Eigentliches sind. Überhaupt ist es mit dem 2012 von der Dirigentin Laurence Equilbey gegründeten Insula orchestra eine französische Kapelle, die derzeit wie keine zweite aus dem Geist und der Zeit...
Frau Stone, während Ihrer gesamten Theaterlaufbahn haben Sie erlebt, dass Sie nicht nur als Führungskraft, sondern immer auch als Frau wahrgenommen wurden. Wie sind Sie damit umgegangen?
Anfangs musste ich mich schon behaupten. Als ich in Köln Operndirektorin war, haben die Herren in den Sitzungen der Deutschen Opernkonferenz kaum mit mir und Pamela Rosenberg, der...
