Sachlicher Rausch
Tristanakkord. Zwittergebilde, Sinnbild der romantischen Sehnsucht nach der Unio mystica. Vom ersten Rang aus beobachten wir Franz Welser-Möst dabei, wie er mit dem Staatsopernorchester jenen legendären Klang zubereitet. Eher sachlich wirkt er. Doch Welser-Möst wirkt am Pult immer eher sachlich, Dirigenten-Show und Geniegehabe sind ihm fremd – wobei er sich neben anderen auf Karl Böhm berufen kann. Freilich darf man sich nicht täuschen lassen. Denn dem Dirigenten gelingt speziell im Vorspiel eine beinahe mustergültige Synthese von Durchsichtigkeit und Emotion.
Gefühl, mit klarem, klugem Kopf disponiert.
Es ist ja nicht das erste Mal, dass Welser-Möst «Tristan und Isolde» an der Wiener Staatsoper dirigiert. Vor zehn Jahren, im Mai 2003, kam das Werk zuletzt am Opernring heraus, mit dem heftig bejubelten Christan Thielemann am Pult. Im Herbst des gleichen Jahres sprang Welser-Möst für Thielemann ein und präsentierte – ohne Probe! – eine ganz eigene Auslegung. Dieses Gastspiel sollte sein späteres Engagement für den «Ring des Nibelungen» und danach die Bestellung zum GMD der Staatsoper mit entscheiden.
Nun also seine erste Einstudierung dieses Werks im Haus am Opernring. Wie ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Gerhard Persché
Mit Michael ging es los. Dem Hausheiligen und Schutzpatron, der «höchsten geistigen Macht» des Komponisten. Sein Tag ist der «Donnerstag», das älteste Stück des siebenteiligen «Licht»-Zyklus, an dem Karlheinz Stockhausen von 1978 bis 2003
arbeitete. Ein Tag des «Lernens», der spirituellen Besinnung, der kosmischen Entgrenzung des Bewusstseins. Dann war Luzifer an...
Das Detmolder Landestheater ist ein Ort der Kontinuitäten: Seit zehn Jahren ist Erich Wächter dort GMD, seit acht Jahren Kay Metzger Intendant. Zusammen haben sie das Detmolder Theater zu einem viel beachteten Wagner-Haus gemacht, trotz der beengten Verhältnisse, die in dem weißen Jugendstil-Schmuckkästchen herrschen. Zwischen 2007 und 2009 wurde ein überaus...
Die CD eingelegt, den Startknopf gedrückt, und schon können wir sie vor uns sehen, die Runde unternehmungsfroher Sänger, ums Fortepiano geschart zur Schubertiade. Wir meinen zwischen den Titeln das Rascheln von Notenblättern zu ahnen, Gelächter, Geplauder. Sei’s in einer Wiener Wohnung, oder eben im Berliner Teldex Studio. Keine Frage: Atmosphärisch ist sie, diese...
