Robust
Grausame Geschichte: Eine Frau, die aufrichtig liebt, jedoch den Falschen. Vis-à-vis ein Mann. Auch er liebt, wird aber von der Staatsräson gezwungen zu töten. Das ist der Stoff, aus dem unsere Albträume sind. Oder eine französische Tragödie wie Pierre Corneilles «Horace» von 1640, die ihrer Faszination wegen weit später noch ein Bertolt Brecht aufgreifen sollte, in seinem Schulstück «Die Horatier und die Kuriatier».
Antonio Salieri blieb in der Dunkelheit.
Und zimmerte aus Corneilles Schauspiel mit dem Librettisten Nicolas-François Guillard 1786 die dreiaktige tragédie lyrique «Les Horaces». Ein feuriges Werk, gleich zu Beginn der Ouvertüre schmettern die Trompeten, dass es eine Art hat. Doch schon im Mittelteil wird der Gegenentwurf formuliert, ein von Oboen dominierter elegischer Gesang. Camilles, der Liebenden, Sphäre sieht sich hier situiert, und immer wieder im Folgenden wird die gleichermaßen sanfttönende wie ausdrucksstarke Stimme Judith van Wanroijs durch das starrgraue Raster politischer Realität hindurchleuchten wie der berühmte zarte Hoffnungsschimmer.
Allerdings ist es ein metallischer Sonnenstrahl, der sich hier Bahn bricht. Denn Christophe Rousset lässt das ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Jürgen Otten
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Nein, auf altdeutsche Traulich- und Knorrigkeit braucht eine aktuelle «Meistersinger»-Interpretation nicht zu verzichten, wenn man sie nicht eins zu eins und zum Anlass für nationale Einpeitschungsrituale nimmt. Nigel Lowerys Tribut an Butzenscheibenästhetik und wuseligen Detailreichtum zielt eher auf ironische Verschwipsung, Pathosreduktion, verkleinerte...
