«Robot le diable»
Fast in Sichtweite des Hafens von Barcelona, über den eine Gondelbahn von halbem Eiffelturm-Imitat zu halbem Eiffelturm-Imitat führt, befindet sich ein schönes altes, dickwandiges Gebäude, in dem die Sociedad General de Autores y Editores (SGAE) residiert. In Zusammenarbeit von SGAE und Òpera de Butxaca i Nova Creació konnte man hier Ende Oktober Teil einer Konferenz zum Thema «Künstliche Intelligenz in der Zeitgenössischen Oper» sein.
In die Oper gehen wir, um menschliche Emotionen, mitreißende Sängerinnen und Sänger, zu erleben, um eine schlüssige Inszenierung mit treffenden Orten und Ideen, aus denen Handlungs- und Sinnpotentiale entspringen, zu sehen. Oder warum auch immer. Das Thema «Künstliche Intelligenz» bekommen wir mit unserer Lieblingskunstform «Oper» wohl erst einmal nicht zusammen. Hier – in der Arena der Emotionen – sollen Menschen inszenieren, singen – und im Orchestergraben musizieren. Im Hintergrund operieren technische versierte Menschen, die hoffentlich keine menschlichen Fehler machen. Sie bedienen Maschinen: Computer, Lichtanlagen. Aber künstliche «Intelligenzen»? In der Oper?
Komponistin Helena Cánovas Parés beschrieb im ersten Vortrag des zweiten ...
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Opernwelt Januar 2022
Rubrik: Report Barcelona, Seite 60
von Arno Lücker
Jahrhundertsängerin
Sie wusste, wann sie aufhören musste. 1973, im Alter von 51 Jahren, stand Renata Tebaldi als Desdemona in Verdis «Otello», einer ihrer Paraderollen, letztmalig auf der Bühne der Metropolitan Opera, jenem Haus, an dem sie 17 Jahre lang fast alle großen Sopranrollen gesungen hatte: Tosca, Violetta Valery, Aida, Amelia, Maddalena, Mimì, Manon...
Der Bühnenboden ist verkohlt, die Brautjungfern streuen Asche statt Blumen. Die Mainzer «Freischütz»-Inszenierung von Alexander Nerlich spielt auf verbrannter Erde. Kaspar und Max sind traumatisierte Kriegsheimkehrer mit Blut an den Händen. Der düstere Bühnenraum von Wolfgang Menardi zeigt drastische Spuren der Zerstörung. Die alte Erbförsterei ist eine Ruine, ihre...
In seinem gereimten Traktat über die Einsamkeit bespielt Wilhelm Busch virtuos die Bühne sarkastischen Humors – und sucht etwa mit Augenzwinkern zu beglaubigen, dass der Einsame es guthabe, da ihn «in seinem Lustrevier kein Mensch, kein Tier und kein Klavier» störe. Und dass sich, «abgeseh’n vom Steuerzahlen, das Glück nicht schöner malen» ließe. Am anderen Ende...
