Rimsky-Korsakow: Der goldene Hahn
Rimsky-Korsakows «Goldener Hahn» wollte in Dortmund nicht so recht die Flügel schlagen. Die «unglaubliche Geschichte» – so der Untertitel der Oper – fußt auf Alexander Puschkins gleichnamiger Verserzählung und ist, wie diese, Märchen und Groteske in einem. Ungleich schärfer noch als die Vorlage ist Rimskys Oper aber auch eine politische Satire auf die absolutistische Zarenherrschaft, die 1906/07, den Jahren der Entstehung der Oper, nach blutig erstickten Unruhen in ihren letzten Zügen lag.
Rimsky kitzelt ihre Lächerlichkeit in hohlen Hymnen und pompösen Märschen mit einer parodistischen Drastik hervor, wie wir sie in ähnlich karikaturistischer Weise später bei Strawinsky, Prokofjew oder Schostakowitsch wiederfinden. Die Unnatur der Macht findet ihr poetisches Gegenbild in der Königin von Schemacha, die erst das Heer des altersschwachen Zaren besiegt und dann diesen selbst um den Finger wickelt. Rimsky lässt hier seiner koloristischen Fantasie und seinem Sinn für Klangfarben freien Lauf. Seine Musik hüllt die Orientalin in ein Gespinst fremdartiger Exotik. Die Geschichte endet böse: Der goldene Hahn hackt den Zaren zu Tode und verschwindet mit der Königin.
Regisseurin Kerstin Maria ...
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