Eine Frage der Balance

Claus Ambrosius über Wagners «Tristan und Isolde» in Kassel und Koblenz

Opernwelt - Logo

Nach jahrzehntelangem Mo­dernisierungsstau in punc­to Sicherheit und Bühnentechnik gingen 2004 im Hessischen Staatstheater Kassel die Lichter aus: Eine Generalsanierung war gefragt. Zweieinhalb Jahre später feierte man im für 36 Millionen Euro rund­erneuerten Haus die Premiere von «Tristan und Isolde» – eine Wiederbegegnung mit gemischten Gefüh­len. Denn optisch und akustisch hat sich kaum etwas verändert. Von der grau-goldenen Zuschauerraumausmalung, die so auffällig ist wie ein ­eigenes Bühnenbild, bis zum allzu hoch gelegenen Orchestergraben ist vieles beim Alten geblieben.

Immerhin: Die neue Bestuhlung tut gut beim «Tris­tan». Drei Autostunden entfernt gab es keinen besonderen Anlass für «Tris­tan und Isolde», und in Koblenz würde man ihn auch nicht unbedingt erwarten: Das klassizistische Haus mit seinen knapp fünfhundert Plätzen ist für Wagner zu klein proportioniert. Nur die Platzierung des Orchesters auf der Bühne macht hier eine Aufführung überhaupt möglich. Kann man also beide Auffüh­rungen vergleichen?
Sicherlich kaum in Hinsicht auf die Regie: Annegret Ritzel, der Hausherrin in Koblenz, bleiben nur die eingeschränkten Möglichkeiten des Spiels auf Vorderbühne und einem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Claus Ambrosius

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rund um den Musikpavillon

Operation gelungen, Patient tot, heißt das Fazit des musikalisch stimmigen, aber szenisch gänzlich missratenen Abends, mit dem Albrecht Puhlmann die von seinem Vorgänger Klaus Zehelein initiierte Auseinandersetzung mit der musikalischen Avantgarde aufgreift und fortschreibt. Bruno Madernas 1964 in Venedig uraufgeführter «Hyperion» ist keine Oper, sondern – so der...

Zum Mitsingen und ­Mittanzen

Was? Sie kennen Dvoráks «Král a Uhlír» nicht? – Kral-a-was? Nee. Muss man das kennen? Ein bisschen snobistisch ist es schon, wenn Orfeo auf dem Cover wie auf dem Besetzungszettel nur den tschechischen Titel eines Werkes nennt, von dem außerhalb Tschechiens kaum jemand je ge­hört haben dürfte. «Král a Uhlír» ist ganz simpel mit «König und Köhler» zu übersetzen, es...

Welt am Draht

Am Anfang ist Alcinas geheimnisvolles Inselreich – ein virtuelles Gefängnis, durch Stromdrähte gesichert – noch mit Plastikplanen verhüllt, die sich als stilisierte Meereswogen deuten lassen. Dann reißt der liebeskranke Orlando auf der Suche nach Angelica zu seiner «Nel profondo»-Arie die Sperren ein – um in die Fänge der in einem Ganzkörper-Schuppenkleid...