Reizharmonie
Mit Holsts «Savitri» begann es, und Holst-Sinfonietta hieß fortan auch das Orchester. Waltons «Bär» folgte, Korngolds «Stumme Serenade», Brittens «Rape of Lucretia» und «Noye’s Fludde», aber immer auch Zeitgenössisches: Rihms «Jakob Lenz», Anno Schreiers «Kein Ort. Nirgends» oder Claude Viviers «Kopernikus». Eines springt allemal ins Auge: Was die Freiburger Young Opera Company (YOC) in ihren bis dato 20 Jahren auf die Bühne brachte, war stets das Besondere, die Rarität abseits vom Mainstream.
Jüngst, zum kleinen Jubiläum, war’s nicht anders.
Mehr als 70 Leute kamen für «Die drei Rätsel» hinter, vor und auf der Bühne zusammen: Detlev Glanerts Oper «für Kinder und Erwachsene» vom rotzig-kessen kleinen Lasso und der mutig eroberten Prinzessin Scharada bedeutete vom Aufwand her einen Rekord. Gut drei Dutzend Jungmusiker leisteten im E-Werk exzellente Arbeit. Gesteuert wurden sie so punktgenau wie abgestuft vom findig-klugen YOC-Prinzipal Klaus Simon (46). Zur Geltung kam, was Glanert ausmacht: Das sind die vorherrschende Melodie und die kleinen Widerhaken darin, die Reizharmonien und der pulsierende Rhythmus, die Mischung aus post-Offenbach’scher Pikanterie und post-Weill’scher ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Heinz W. Koch
Island ist, geologisch betrachtet, ein Küken auf unserem Planeten. Auch als Republik hat es eine junge (bis 1944 zurückreichende) Geschichte. Die Entwicklung der letzten Jahre stellt trotzdem alles an Tempo in den Schatten. Manche Einwohner des kleinen Landes haben das Gefühl, überrollt zu sein von den Ereignissen. Da ist natürlich die Finanzkrise von 2008, deren...
Zugegeben: Nach Säen und Ernten in den Randlagen, dort, wo das bunte, wilde Premieren-Repertoire sprießt, sieht das nicht aus. Zwischen «Tristan» und «Vogelhändler» hat Regensburg seinen neuen «Rigoletto» gepackt, die Salzburger Landestheater-Kollegen bringen ihn zwischen «Zauberflöte» und «Weißem Rössl» – was dort das Blockbuster-Sandwich komplett macht. Den...
Draußen scheint der Kampf noch in vollem Gang. Eine Sirene ertönt. Es fallen Schüsse. Ein ewiger Aufschrei, unterbrochen allenfalls von den Marschtritten unzähliger Soldaten. Drinnen im Theater dagegen Totenstille. Erst nach und nach erheben die Gefallenen ihre Stimmen, wortlos weinend in der Finsternis, die sie umgibt. Sie steigen nicht aus den Gräbern, die nach...
