Reitwalhalle
In «Tante Jolesch oder Der Untergang des Abendlandes» erzählt Friedrich Torberg unter anderem von einem Gast namens Soyka, der einst das Wiener Café Herrenhof in komplettem Reitkostüm mit Schaftstiefeln, Sporen und Gerte betrat. Worauf der Schriftsteller und Aphoristiker Alfred Polgar süffisant bemerkte: «Ich hab’ ja auch kein Pferd, aber so kein Pferd wie der Soyka hab’ ich nicht.» In Uwe Eric Laufenbergs Linzer Inszenierung von «Die Walküre» hat man zwar ein Pferd.
Aber das Tier, das zu Beginn des dritten Akts mit seiner hübschen Reiterin Runden in einer herabgekommenen Reithalle dreht (Bühne: Gisbert Jäkel), erinnert irgendwie an Torbergs Anekdote. Denn in seiner einsamen Anwesenheit betont es die Abwesenheit der anderen – so keinen Walkürenritt wie diesen gibt es kaum. Obwohl ein bemühtes Wunschmädchen-Geschwader in Flieger-Outfits der 1920er-/30er-Jahre (Kostüme: Antje Sternberg) Helden ganz und in Einzelteilen – Arme, Beine – sammelt und zu einer Art Skulptur von Körpern zusammenfügt. Falls dies ironisch das faschistische Potenzial, das dieser Szene innewohnt, herauskitzeln soll, greift es wohl zu kurz. Wirklich überzeugend sah man diese Szene freilich auch in anderen ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Persché
Die Verleumdung – la calunnia – sie ist ein Lüftchen … Christian Jost (Jahrgang 1963) muss gar nicht Rossini bemühen, um das zu unterstreichen. In seiner 2012 in Antwerpen uraufgeführten Oper «Rumor» nach Guillermo Arriagas Roman «Der süße Duft des Todes» macht der Komponist das Gerücht zum zentralen Motiv (siehe OW 5/2012). Sein Urheber ist gleichwohl keine Figur...
Mit seinen Opern hatte Antonín Dvorák, mit Ausnahme von «Rusalka», außerhalb Böhmens wenig Glück. Der 1875 komponierten «Vanda» war selbst in seiner Heimat kein Erfolg beschieden: Der Fünfakter im Stil der französischen Grand opéra fiel bei der Prager Premiere durch und ist heute gründlich vergessen. Zu Unrecht, wie jetzt die Osnabrücker Aufführung bewies. Gewiss...
Die Veröffentlichung der CD-Einspielung von Leonardo Vincis «Artaserse» war ein großer Erfolg (vgl. OW 12/2012). Der Jubel setzte sich fort, als das Werk in der Inszenierung des rumänischen Regisseurs Silviu Purcarete auch auf die Bühne kam (vgl. ebenda) – unter anderem an der Opéra national de Lorraine in Nancy, wo der Mitschnitt entstand, der jetzt auf DVD...
