Reigen
Fast siebzig Jahre hatte es nach der Züricher Uraufführung gedauert, bis Alban Bergs «Lulu» 1986 erstmals in Regensburg zu erleben war. Wiederum einundzwanzig Jahre später kam jetzt die zweite Inszenierung heraus. Intendant Ernö Weil realisierte die zweiaktige Fassung in der stimmigen Ausstattung von Daniel Dvorák, besetzt mit hauseigenen Kräften. Dass die Produktion auf ungeteilte Zustimmung traf, ist in erster Linie dem überzeugenden Konzept und den ausgezeichneten sängerischen wie darstellerischen Leistungen zu danken.
Großen Anteil am Erfolg hat das Orchester unter Raoul Grüneis. Regensburgs GMD tarierte die Balance zwischen Durchhörbarkeit und Klangdichte, spätromantischem Schwärmen und differenziertem Ausloten der kompositorischen Strukturen überzeugend aus.
Ernö Weil unterstreicht die dramaturgische Stringenz des Werks, indem er Prolog und Epilog als szenische Klammer zeigt: Nicht als wildes Tier, sondern als Opfer von Jack the Ripper wird Lulu zu Beginn und am Schluss in der Anatomie präsentiert. Im Prolog schauen die Figuren des Dramas einem in schnellen Schwarz-Weiß-Projektionen vorbeiziehenden Pandämonium menschlicher Monstrositäten zu, sind sie unbeteiligte Personen wie ...
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