Reif für frische Impulse
Auf große Überraschungen muss man sicherlich nicht gefasst sein, wenn man im Frühsommer die beiden Händelfestspiele in Göttingen und Halle besucht. Alles verläuft in vertrauten, wohlgeordneten Bahnen. Immer stehen beide Festivals unter einem Thema (Göttingen: «Macht und Ohnmacht» / Halle: «Triumph von Zeit und Wahrheit»), und stets bilden die Opernaufführungen das Zentrum der Ereignisse. Angereichert wird das Programm mit (oft marathonartigen) Oratorium-Konzerten, Raritäten und «Ausgrabungen», garniert mit unzähligen Rahmenveranstaltungen.
Was zunehmend fehlt, sind geistreiche, erfinderische Ansätze der Händel-Rezeption heute.
Vor allem, seit etliche Opernhäuser das Barockrepertoire als kassentauglichen Stoff für sich entdeckt haben und oft spannende Inszenierungen Händel’scher Opern bieten, sind die Festspiele zusehends ins Hintertreffen geraten. Zwar hat man in Göttingen den traditionell eher museal-historischen Aufführungstil ad acta gelegt, die diesjährige «Giulio Cesare»-Inszenierung von Igor Folwill wirkte über weite Strecken dann aber doch wie eine feierlich-langatmige, emotionslose Stehoper. Zumal auch die Stadthalle als Spielstätte trotz aller ...
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Tornerà d’auro il secolo?» – Wird das Goldene Zeitalter wiederkehren?, fragt der Chor im jubeltrunkenen Finalstück jener legendären sechs «Florentiner Intermedien», die 1589 für eine pompöse Aufführung der Komödie «La pellegrina» am Hof der Medici entstanden. Vor 418 Jahren war das natürlich nur eine rhetorische Frage: Dass die Vermählung des Großherzogs Ferdinando...
Mehr Musiktheater gibt’s auch an manch großem Opernhaus nicht. Zumindest, was das Angebot von (Ko-)Produktionen oder komplett eingekauften Abenden betrifft. Acht sind es derer an der Zahl, mit denen das Festspielhaus Baden-Baden in der Spielzeit 2007/08 aufwartet: sieben Opern (darunter dreimal Wagner und eine konzertante «Sonnambula» mit Cecilia Bartoli und...
Es ist dieses Gesicht, das so fesselt. Diese fragenden, horchenden, auch verwirrten Züge, diese großen, sprechenden, flackernden Augen. So wie Marianne Denicourt, denkt man unwillkürlich, könnte sie ausgesehen, geredet, sich bewegt haben. So – dies vor allem – täte sie es, lebte sie heute. Voraussetzung Nummer eins für eine Werkvergegenwärtigung, wie sie in Basel...
