Reif für frische Impulse
Auf große Überraschungen muss man sicherlich nicht gefasst sein, wenn man im Frühsommer die beiden Händelfestspiele in Göttingen und Halle besucht. Alles verläuft in vertrauten, wohlgeordneten Bahnen. Immer stehen beide Festivals unter einem Thema (Göttingen: «Macht und Ohnmacht» / Halle: «Triumph von Zeit und Wahrheit»), und stets bilden die Opernaufführungen das Zentrum der Ereignisse. Angereichert wird das Programm mit (oft marathonartigen) Oratorium-Konzerten, Raritäten und «Ausgrabungen», garniert mit unzähligen Rahmenveranstaltungen.
Was zunehmend fehlt, sind geistreiche, erfinderische Ansätze der Händel-Rezeption heute.
Vor allem, seit etliche Opernhäuser das Barockrepertoire als kassentauglichen Stoff für sich entdeckt haben und oft spannende Inszenierungen Händel’scher Opern bieten, sind die Festspiele zusehends ins Hintertreffen geraten. Zwar hat man in Göttingen den traditionell eher museal-historischen Aufführungstil ad acta gelegt, die diesjährige «Giulio Cesare»-Inszenierung von Igor Folwill wirkte über weite Strecken dann aber doch wie eine feierlich-langatmige, emotionslose Stehoper. Zumal auch die Stadthalle als Spielstätte trotz aller ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In der Operette «Wiener Blut», deren Musik nach Stücken von Johann Strauß zusammengeschustert wurde, geht es um das, was der Titel verspricht: «Wienerblut, eigner Saft, voller Kraft, voller Glut». Damit richtig deutlich werden kann, was damit gemeint ist, bedarf es eines Kontrastes, eines Blutes gewissermaßen, das ganz und gar nicht wienerisch ist und in Wien...
«Dieser Faust ist Gemeingut der Menschheit» – das sagte Nikolaus Lenau (1802-1850), um sich gegen das scheinbare «Faust»-Monopol Goethes zu wenden. So verfasste Lenau 1835 seinen eigenen «Faust», zwar in Knittelversen, aber in Handlungsverlauf und Sicht auf die Faust-Figur entscheidend von Goethe abweichend. Lenaus Faust trägt nihilistische Züge, sein Weltbild...
In einer Enzyklopädie der Gesangskunst, die noch geschrieben werden muss, hat er ein eigenes Kapitel verdient, auch wenn er heute nur noch wenigen Kennern ein Begriff ist: Der rumänische Tenor Petre Munteanù (1916-1988) vertritt den Typus des «tenore di grazia» in Reinkultur, wobei dieser Terminus weniger ein Stimmfach bezeichnet als eine ästhetische Haltung.
Eigent...
