Reif für frische Impulse
Auf große Überraschungen muss man sicherlich nicht gefasst sein, wenn man im Frühsommer die beiden Händelfestspiele in Göttingen und Halle besucht. Alles verläuft in vertrauten, wohlgeordneten Bahnen. Immer stehen beide Festivals unter einem Thema (Göttingen: «Macht und Ohnmacht» / Halle: «Triumph von Zeit und Wahrheit»), und stets bilden die Opernaufführungen das Zentrum der Ereignisse. Angereichert wird das Programm mit (oft marathonartigen) Oratorium-Konzerten, Raritäten und «Ausgrabungen», garniert mit unzähligen Rahmenveranstaltungen.
Was zunehmend fehlt, sind geistreiche, erfinderische Ansätze der Händel-Rezeption heute.
Vor allem, seit etliche Opernhäuser das Barockrepertoire als kassentauglichen Stoff für sich entdeckt haben und oft spannende Inszenierungen Händel’scher Opern bieten, sind die Festspiele zusehends ins Hintertreffen geraten. Zwar hat man in Göttingen den traditionell eher museal-historischen Aufführungstil ad acta gelegt, die diesjährige «Giulio Cesare»-Inszenierung von Igor Folwill wirkte über weite Strecken dann aber doch wie eine feierlich-langatmige, emotionslose Stehoper. Zumal auch die Stadthalle als Spielstätte trotz aller ...
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