Radikal pessimistisch
Der Herr ist unsichtbar. Aber man kann ihn hören. Ihn und seinen in g-Moll gefassten Ingrimm. Denn Gott ist außer sich vor Zorn. Und lässt nun diesem freien apokalyptischen Lauf.
Während auf Dirk Beckers unwirtlicher Bühne, die im Verlauf des Abends aus schlichtweißen Resopaltischen immer wieder raffinierte Konstellationen kreiert (Laufsteg, Küche, Verhörraum, Abendtafel, Kreuz), Nebelkerzen dampfen und Lichterblitze giftig zucken, herrscht im Graben, wo Giuliano Betta den entfesselten Advokaten der göttlichen Instanz gibt, ein orchestraler Furor, der in seinen fiebrigen Ausschlägen den ganzen Saal erschüttert. Streicher jaulen im Diskant, das Holz schlägt Fortissimo-Funken, und so harsch donnern die (Wort-) Salven von Chor und Blechbläsern über uns hinweg, dass man den Jüngsten Tag in Reichweite wähnt. Der Effekt dieser musikalischen Offenbarung ist enorm. Dennoch bleibt eine bange Frage: Wie bitte gelangte das «Dies irae» aus Giuseppe Verdis «Requiem» ans Ende des dritten Akts seiner Oper «La forza del destino»?
Die heftig sich ausbreitende thymotische Energie, so die These des Regisseurs Michael Schulz, ist das logische Resultat humaner Verirrung. Soeben hat das Volk den ...
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Opernwelt April 2020
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Jürgen Otten
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der angekündigten Musiktheater- und Opernpremieren des Monats April 2020. Informationen zu Wiederaufnahmen und Repertoirevorstellungen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link:
www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische Leitung
I =...
alpha
03.04. – 20.15 Uhr
Missa Solemnis
BR Chor und Sinfonieorchester, ML: Gardiner
05.04. – 22.00 Uhr
Bach: Matthäuspassion
Live aus dem Herkulessaal, München
Chor des BR, ML: Dijkstra, S: Gauvin, Romberger, Schmitt, Prégardien, Nagy, Fredriksson
12.04. – 21.45 Uhr
Wagner: Tannhäuser
Münchner Opernfestspiele 2017, ML: Petrenko, I: Castellucci, S: Zeppenfeld, Vogt,...
Nach dem spektakulären Erfolg seiner Indianer-Oper «Il Guarany» an der Scala wurde der brasilianische Komponist Antônio Carlos Gomes, der 1864 zum Studium nach Mailand gekommen war und dort bald in Kontakt mit der Gruppe der Scapigliati um Arrigo Boito trat, als ein potenzieller Nachfolger Giuseppe Verdis gehandelt, der sich nach der «Aida» zurückziehen wollte....
