Prunk und Pragmatismus
Man könnte es mit Schiller erfragen: «Wie kommt mir solcher Glanz in meine Hütte?» Und sogleich die Antwort geben: indem sich Altes und Neues aufs Schönste miteinander verbinden. Bei der Renovierung der
PRAGER STAATSOPER, die am 5.
Januar, auf den Tag genau 132 Jahre nach der feierlichen Einweihung mit Richard Wagners «Meistersingern», mit einem Galakonzert unter Leitung des neuen Chefdirigenten Karl-Heinz Steffens wiedereröffnet wurde, war das der Fall: Neo-Rokoko, edelste Wandbespannungen und samtene Sitzpolster auf der einen, komfortable LED-Beleuchtung, Glasfaser und neueste Technologie auf der anderen Seite. Prunk und Pragmatismus geben sich glückhaft die Hand. Nun fehlt in dem Musentempel nur noch die Musiktheaterkunst selbst. Wir warten gespannt.
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Opernwelt Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Jürgen Otten
Kaum ein anderes großes Land war kulturell so zerklüftet, dezentralisiert wie Deutschland, die «verspätete Nation» (Helmuth Plessner). Es gab keine dominierende Hauptstadt wie die «Wasserköpfe» Paris und London. Hinzu kamen die Kleinstaaterei und die selbstbewussten freien Reichsstädte. Zudem spaltete die Reformation das Land in Katholiken und Protestanten....
Es ist ein weites Feld – Kinderoper. Ein Genre, über dessen Notwendigkeit sich Theaterschaffende wohl im Grundsatz einig sind, das aber nicht immer mit hinreichender Kreativität gesegnet ist. Denn Kinderoper heißt nicht nur «Kleine Zauberflöte». Eva Kleinitz, der im Frühjahr 2019 verstorbenen Intendantin der Opéra national du Rhin, war sie eine...
Strukturelle Improvisation – diese Formel trifft ziemlich genau, was Christian Jost anstrebt, wenn er neue Musik erfindet. Vor 15 Jahren brachte die Rheinoper in Düsseldorf sein erstes abendfüllendes Musiktheater heraus: «Vipern», eine griffig konstruierte Kriminalgeschichte aus dem elisabethanischen England. Seither sind sieben weitere Arbeiten für die Bühne...
