Primus inter pares
In den Recitals bedeutender Sänger spielen die Lieder Franz Liszts meist nur eine marginale Rolle, entsprechend bescheiden ist das diskografische Angebot. Das kleine Label Marsyas hat den 200. Geburtstag des Komponisten im kommenden Jahr zum Anlass genommen, die Lücke zu füllen und in Koproduktion mit dem ORF sein gesamtes Liedschaffen aufzunehmen. Die ersten beiden von sechs Folgen sind inzwischen erschienen.
Einige Titel werden stolz als Ersteinspielung ausgegeben, doch darf man das nicht leichthin glauben.
So liegen mir beispielsweise die drei Petrarca-Sonette seit Langem in einer offiziellen Studioaufnahme der Cetra mit Leyla Gencer und Dino Ciani vor. Doch schmälern solche Fehlinformationen den Wert der Edition keineswegs.
Liszt war ein großer Verehrer Schuberts, dessen Lieder er durch seine virtuosen Klaviertranskriptionen populär machte, und er schätzte auch die Arbeiten Schumanns. Dennoch ging er bei seinen Vertonungen teilweise hochkarätiger Texte von Goethe, Schiller, Heine, Hugo und anderen eigene Wege, die gleichermaßen von Berlioz wie von der italienischen Oper inspiriert waren. Oft wird dabei der intime Rahmen des Liedes gesprengt. «Mignons Lied» und «Die Loreley» etwa ...
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Unter den Komponisten der sowjetischen Nachkriegszeit gehörte Nikolai Karetnikov (1930-1994) zweifellos zu den Querdenkern. Wie Alfred Schnittke, Sofia Gubaidulina oder Edison Denisov entwickelte er eine eigene Ästhetik und kompositorische Techniken, die mit den Prinzipien des «sozialistischen Realismus» nichts zu tun hatten. Auf der einen Seite fühlte sich...
Anders als Bach, Mozart oder Beethoven hat Schumann mit seinen Biografen wenig Glück gehabt. Das letzte, zum Schumann-Jahr 2006 erschienene Buch von Martin Demmler («Ich hab’ im Traum geweinet») war gar ein intellektueller und sprachlicher Offenbarungseid – ein Text, der weder dem Menschen noch dem Musiker Schumann gerecht wird (statt die Restbestände dieses Opus...
Eine Werkschau zu Lebzeiten ist nur wenigen Künstlern vergönnt. Erst recht unter den Komponisten ist diese Ehre, die dem 84-jährigen Hans Werner Henze nun widerfährt, eine Ausnahme. Genau diese Ausnahme aber ereignet sich derzeit unter der poppigen Bekenntnisformel «I love henze» im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres mit dem «henze-projekt – neue musik für eine...
