Postmodernes Lehrstück

Osnabrück: Saariaho: Adriana Mater

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Kaija Saariaho und ihr Librettist, der in Frankreich lebende libanesische Schriftsteller Amin Malouf, haben für ihre zweite, 2006 in Paris uraufgeführte Oper «Adriana Mater» einen aktuellen Stoff gewählt – die sexualisierte Gewalt im Krieg. Adriana wird von dem Soldaten Tsargo vergewaltigt, entschließt sich aber trotz des Widerstands ihrer Schwester Refka, das Kind zu behalten. Als der siebzehnjährige Yonas später erfährt, wer sein Vater ist, versucht er ihn zu töten, ist aber dazu nicht in der Lage. Der Kreislauf der Gewalt ist damit gebrochen.

«Wir sind nicht gerächt, aber wir sind gerettet», sagt Adriana am Schluss.

Malouf entrückt das Geschehen, das vier traumatisierte Menschen auf engstem Raum zusammenführt, mit oftmals arg geschmäcklerischer Poesie in ein zeitloses Nirgendwo – eine Realitätsflucht, die Saariaho mit den gleichförmigen Klängen ihrer statisch-minimalistisch in langen Linien ausziselierten Musik noch betont. Vollends auf Grund läuft das postmoderne Lehrstück dann in der handlungslosen, zwischen Realität und Traum situierten Schlussszene, wenn die vier Personen monologisch aneinander vorbei in untheatralischer, geradezu peinlich moralischer Korrektheit darüber ...

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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Uwe Schweikert

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