Politisch korrekt

Die Stadt Nürnberg hat sich zum Thema Menschenrechte ein Stück ­bestellt: Anmerkungen zu Karola Obermüllers Kammeroper «Dunkelrot»

Opernwelt - Logo

Taugt das Metier der Oper als Mahnmal? Die Initiatoren der Uraufführung «Dunkelrot» bestreiten energisch, dass es ihnen mehr um ein gesellschaftspolitisches Signal als um die innere Dynamik des Musiktheaters ging. Ein riskanter Versuch war es allemal, den das Nürnberger Staatstheater im Dienste der als «Stadt der Menschenrechte» alle zwei Jahre an die Öffentlichkeit drängenden Kommune mit diesem Auftragswerk wagte.

Nicht nur wegen der etwas konstruiert wirkenden Betroffenheitskonfektion zum exakt vorgegebenen Anlass: der Vertonung biografischer Spuren einer früheren Trägerin des Menschenrechtspreises, termingerecht umgesetzt zur Auszeichnung einer weiteren. Auch die gesuchte Symbolik bei der Wahl des Aufführungsortes – gespielt wurde im Dokuzentrum Reichsparteitagsgelände an Albert Speers Colosseum-Ruine – wirkte problematisch.
In «Dunkelrot» geht es um die Flucht einer gefolterten Afrikanerin ins europä­ische Asyl und das unbarmherzig schwin­gende Pendel von Gleichgültigkeit und Ausgrenzung in westlichen Gesellschaften. Haltungen, die keineswegs bloß die Spezialität von Neonazis sind.
Mit fünfzehn markant eingesetzten Instrumentalisten und «Atmo» stiftender Elektronik wird diese ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2007
Rubrik: Magazin, Seite 31
von Dieter Stoll

Vergriffen
Weitere Beiträge
Romantischer Trash

Noch bis vor kurzem galten die Bilder aus dem alten Russland oder wenigstens die Anmutungen einer brüchig tradierten Bürgerwelt als Garanten dafür, dass Tschaikowskys Lyrische Szenen zu Puschkins Versroman «Eugen Onegin» ihre Theaterpoesie entfalteten: Peter Stein hatte zuletzt in Lyon viel kunsthandwerkliche Präzision im bürgerlichen Realismus aufgeboten, Andrea...

Humperdinck: Königskinder (A. Jordan)

Der Mitschnitt einer konzertanten Aufführung der ­«Königskinder» vom Juli 2005 aus Montpellier ist wohl eine der letzten Aufnahmen des am 20. September 2006 gestorbenen Armin Jordan, der ursprünglich auch die neue Zürcher Produktion dirigieren sollte. Seine Opern-Diskografie ist schmal. Immerhin sind auf CD ­erschienen: «Pelléas et Mélisande» (1981), «Le Roi...

Kraft der Persönlichkeit

Es war ein leiser Abschied. Nicht einmal Verehrer wussten davon. Ende 2003 zog sich Julia Varady vom Podium zurück. Auf der Opernbühne war sie schon Jahre zuvor nicht mehr aufgetreten. Nach vierzig Jahren öffentlichen Singens wollte sie sich aufs Unterrichten konzentrieren. In Frankreich warfen ihr die Zeitungen Blumen hinterher, in Deutschlands Musikszene wurde...