Politisch korrekt
Taugt das Metier der Oper als Mahnmal? Die Initiatoren der Uraufführung «Dunkelrot» bestreiten energisch, dass es ihnen mehr um ein gesellschaftspolitisches Signal als um die innere Dynamik des Musiktheaters ging. Ein riskanter Versuch war es allemal, den das Nürnberger Staatstheater im Dienste der als «Stadt der Menschenrechte» alle zwei Jahre an die Öffentlichkeit drängenden Kommune mit diesem Auftragswerk wagte.
Nicht nur wegen der etwas konstruiert wirkenden Betroffenheitskonfektion zum exakt vorgegebenen Anlass: der Vertonung biografischer Spuren einer früheren Trägerin des Menschenrechtspreises, termingerecht umgesetzt zur Auszeichnung einer weiteren. Auch die gesuchte Symbolik bei der Wahl des Aufführungsortes – gespielt wurde im Dokuzentrum Reichsparteitagsgelände an Albert Speers Colosseum-Ruine – wirkte problematisch.
In «Dunkelrot» geht es um die Flucht einer gefolterten Afrikanerin ins europäische Asyl und das unbarmherzig schwingende Pendel von Gleichgültigkeit und Ausgrenzung in westlichen Gesellschaften. Haltungen, die keineswegs bloß die Spezialität von Neonazis sind.
Mit fünfzehn markant eingesetzten Instrumentalisten und «Atmo» stiftender Elektronik wird diese ...
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Von manchen außerabendländischen Ohren, aber auch von minder hochkunstmäßig geübten hiesigen, wird, so liest man, theatralisches Pathos, gehobenes Sprechen insgesamt, als eine Art von Wut, von Schimpfen empfunden. In gewisser Weise haben sich Komponisten und in der ferneren Folge auch Gesangskünstler diesen wohl in die Urmenschheit zurückreichenden,...
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James MacMillans zweite Oper spielt mit dem Mythos, doch die Handlung ist in der nahen Zukunft angesiedelt, in einem Schottland oder Britannien, wo Gewalt die Gewalt regiert. Die Führer zweier verfeindeter Parteien wollen Frieden schließen. Eine Bedingung für den Deal: Sian, die Tochter des Generals, heiratet dessen langjährigen Rivalen Mal. Doch Sians früherer...
