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Im Unterschied zu Europa nimmt Russland die Zahl der an Corona Erkrankten und der Todesfälle nicht zur Kenntnis. Die Theater spielen schon lange wieder vor halb besetzten Häusern, und die Zuschauerinnen und Zuschauer tragen schon lange keine Masken mehr, ohne sich dafür zu schämen.

Während des Lockdowns waren die Streamingangebote für die Opernfans die größte Freude. Und das wichtigste Ereignis für mich war eine solche Übertragung aus einem leeren Saal.

Wagners «Parsifal» in der Inszenierung von Kirill Serebrennikov und Philippe Jordan (Wiener Staatsoper) öffnete die alte Wunde, die an Russlands Körper seit Stalins Tod schwärt. Die KGB-Leute bleiben die wichtigsten Menschen im Land. Das Gefängnis als Form der äußersten Unfreiheit ist zum geräumigsten Symbol unserer Zeit geworden. Alle Ereignisse, die der Regisseur furchtlos auf die Bühne bringt (inklusive des Videomaterials einer aufgegebenen Kirche) treffen uns mitten ins Herz. Umso überzeugender ist Elīna Garanča in der Rolle der Kundry, die direkt und indirekt mit allen Gefängnisfiguren in Kontakt tritt.

Außerdem brachte Serebrennikov im Gogol-Zentrum das Musikstück «Ein Mensch ohne Namen» auf die Bühne, das dem hervorragenden ...

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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Umfrage Kritikerstatements, Seite 119
von Alexej Parin («Echo Moskau», Moskau)

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