Performer (und Publikum) gesucht
Diesem Mann ist nicht zu trauen: Barett kommt als Butler in Tonys Haushalt. Zunächst gibt er ganz den Diener, doch nach und nach wirft er die servile Haltung ab, verführt seinen Herrn, entreißt ihn den Händen seiner Freundin (Sally Grant) und bekommt ihn schließlich – ins Bett. Wenn Alexey Bogdanchikov als Barett seinen breiten Bariton einsetzt, unterwürfig auf den Boden schaut, um schließlich mit diabolischem Grinsen, vorgeschobenem Unterkiefer und blitzenden Augen zu triumphieren, könnte einem ein Schauer über den Rücken laufen.
Das soll er auch, denn hier geht es nicht nur darum, eine gute Stimme zur Schau zu stellen, sondern ein echter «Performer» zu sein, ein Darsteller, der genau so gut spielen wie singen kann – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, die man im Opernbetrieb aber häufig schmerzlich vermisst. Die Kammeroper «The Servant» von Marco Tutino war eine der fünf Produktionen, die im November auf dem Opernfestival «Armel» im südungarischen Szeged gezeigt wurden.
Es ist bereits die dritte Ausgabe dieses Festivals, das zugleich als Wettbewerb konzipiert ist, bei dem die besten Sängerdarsteller ermittelt werden sollen. Direktorin Agnes Havas, die in Budapest die kleine ...
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Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Udo Badelt
Das Bonner Opernhaus hat Franz Schrekers «Irrelohe» ausgegraben und damit ein Schlüsselwerk der Moderne neu entdeckt. In der Nazizeit wurden die Opern des Halbjuden Schreker als «entartet» gebrandmarkt, und so verschwand auch das Stück mit dem schauderhaft schönen Titel in der Versenkung. Von der Renaissance der Schreker-Opern seit den achtziger Jahren profitierte...
Die Anmutung erinnert an ein Renaissance-Gemälde: die klaren Linien und Proportionen, die Harmonie der Formen und Farben, die Überfülle der Details, der souverän überschauende Blickpunkt. Das fotografische «Porträt» des Auditoriums im Gran Teatre del Liceu wirkt wie eine Komposition, wie das Werk eines Künstlers, der seinen Gegenstand mit den Augen des Architekten...
Auf den ersten Blick eine bestechende Idee: Aus den im Orient verschleppten Europäern der Mozart-Oper werden an der Vlaamse Opera Touristen, die irgendwo zwischen Algerien und Jemen Terroristen in die Hände fallen. Was daraus folgen müsste, wäre eine komödiantische Variante des clash of civilizations. Es stellt sich jedoch bald heraus: Die Orient-Klischees des 18....
