Orgie der Untoten
Bruno Madernas Oper Satyricon von 1971/72 ist das letzte große Werk des 1973 verstorbenen vielseitigen Genies. Er schrieb es eigentlich für die Studenten seines Sommerkurses im berühmten Tanglewood, uraufgeführt wurde die Oper in seinem Todesjahr in Amsterdam. In vierzig Jahren lassen sich die Inszenierungen an den Fingern beider Hände abzählen. Die deutsche Erstaufführung in Stuttgart 1976 dirigierte Bernhard Kontarsky, in einer wilden szenischen Collage von Ernst Poettgen und Gaby Ecsy.
In einer Collage werden Dinge zusammengefügt, die nicht zusammengehören, aber einen neuen Sinn ergeben. Bruno Maderna hat im Satyricon mit Collagetechniken gearbeitet, Elemente in großer Geschwindigkeit zusammengebaut, Techniken von der Tonalität über die Serialität bis zur aleatorisch offenen Form miteinander vermischt. Er war nicht nur ein genuiner und genialer Musiker, er war auch, zur Verzweiflung seiner Verleger, Nachlassordner und Interpreten, bisweilen ein ziemlicher Chaot. Vom Satyricon ist manches verloren gegangen, manches unklar. Aber auch so beißt das Werk kräftig zu: Das liegt schon an den bissigen Fragmenten von Petronius, dem «Arbiter elegantiarum», aus dem Maderna vor allem das ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Dietmar Polaczek
Im Jahr 1940 richteten die Nationalsozialisten auf dem Gelände der Heilanstalt Am Steinhof eine «Kinderfachabteilung» unter der Flurbezeichnung «Spiegelgrund» ein. Ihre Aufgabe war, «lebensunwertes Leben» zu vernichten. Im April 2002 wurden in Wien die Überreste von 789 der ermordeten Kinder auf dem Zentralfriedhof bestattet. Ein später Akt der Rehabilitierung....
Die ersten Takte signalisieren Jahrmarkt oder Music Hall, leicht angeschrägt. Man könnte auch an die Klangchiffre eines kreiselnden Roulette-Rades denken: Wir befinden uns in einem imaginären Spielcasino, in «Roulettenburg». Dort spielt, frei nach Dostojewskij, die Oper Der Spieler, ein frühes Projekt Sergej Prokofjews, das er schon 1917 für das Mariinsky-Theater...
Lange konnte sich der italienische Verleger Giovanni Ricordi nicht am ersten großen Erfolg seines Schützlings Giuseppe Verdi freuen: Nach der französischen Erstaufführung von dessen Nabucco 1845 an der Pariser Oper meldeten sich zwei Autoren, die 1836 ein romantisches Melodram mit dem Titel Nabuchodonosor am Pariser Théâtre de l’Ambigu-Comique herausgebracht...
