Ohne Risiko kein Champagner

Alexander Tsymbalyuk ist auf dem Sprung zur Weltkarriere

Opernwelt - Logo

Ob er denn schon von seinen Malkünsten erzählt habe? Und dass er, wenn er in seine Heimatstadt Odessa zurückkehre, immer in der Kirche singe? Mama ist besorgt, ob auch alles gesagt wird, Papa hält sich zurück. Beide sind gewissermaßen Beisitzer bei diesem Interview. Den Sohn haben sie ein paar Tage zuvor auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters erlebt – und sind nun stolz. Das können sie auch sein: Alexander Tsymbalyuk, 36 Jahre jung, ist auf dem Sprung zur Weltkarriere.

Erstmals eine stücktragende Rolle, gleich Mussorgskys «Boris Godunow», noch dazu an einem großen Haus, das ist ein Risiko – und war für den Ukrainer mit Wohnsitz Hamburg der Durchbruch. Er selbst formuliert es anders in seinem recht flüssigen Deutsch. «Es ist definitiv ein erster riesiger Schritt ins seriöse, große Fach», sagt Tsymbalyuk. «Ich präsentiere mich nun als Erwachsener.» Keine Angst vor dem Risiko also? «Wer nichts riskiert, der trinkt keinen Champagner.» Großes Gelächter der Dolmetscherin, um die Tsymbalyuk sicherheitshalber gebeten hat – und die nun einspringt: «Er meint wohl: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.»

Vor dem «Boris» war die Zeit der Banquos, Fafners oder Komture, vorzugsweise an seinem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2013
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Geisterstunden in Charleston

Die amerikanische Ausgabe des Spoleto Festivals mit seinem bunten Mix aus Klassik und Jazz, Theater und Tanz wird seit 1977 in Charleston (South Carolina), der Partnerstadt des umbrischen Spoleto, ausgerichtet. In den vergangenen Jahren hat sich die Praxis etabliert, zwei Opernabende an jeweils unterschiedlichen Spielstätten zu präsentieren. Die Auswahl des...

Elf Personen suchen einen Stoff

Die Oper ist und bleibt der Wolpertinger unter den Künsten, bei dem sich Text, Musik und Szene gegenseitig unterstützen, kommentieren oder im Wege stehen. Diese Offenheit des Genres weckt zuweilen die Begehrlichkeit, alles hineinzuwerfen, auf dass am Ende schon irgendetwas Neues oder Aktuelles herausschaue. Das jüngste Projekt der Deutsche Bank Stiftung und ihres...

Praxistest nicht bestanden

Es gab wohl kein Zurück mehr. Als Katharina Wagner, die vorgesehene Regisseurin, ihre Arbeit niederlegte, bevor die Proben beginnen konnten, hätte die Intendanz des ruhmreichen Teatro Colón in Buenos Aires, das sich auf eine lange Wagner-Tradition berufen kann, das Projekt einer Kurzfassung des «Ring des Nibelungen» noch einmal überdenken können. Doch zu sehr war...