Ohne Risiko kein Champagner
Ob er denn schon von seinen Malkünsten erzählt habe? Und dass er, wenn er in seine Heimatstadt Odessa zurückkehre, immer in der Kirche singe? Mama ist besorgt, ob auch alles gesagt wird, Papa hält sich zurück. Beide sind gewissermaßen Beisitzer bei diesem Interview. Den Sohn haben sie ein paar Tage zuvor auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters erlebt – und sind nun stolz. Das können sie auch sein: Alexander Tsymbalyuk, 36 Jahre jung, ist auf dem Sprung zur Weltkarriere.
Erstmals eine stücktragende Rolle, gleich Mussorgskys «Boris Godunow», noch dazu an einem großen Haus, das ist ein Risiko – und war für den Ukrainer mit Wohnsitz Hamburg der Durchbruch. Er selbst formuliert es anders in seinem recht flüssigen Deutsch. «Es ist definitiv ein erster riesiger Schritt ins seriöse, große Fach», sagt Tsymbalyuk. «Ich präsentiere mich nun als Erwachsener.» Keine Angst vor dem Risiko also? «Wer nichts riskiert, der trinkt keinen Champagner.» Großes Gelächter der Dolmetscherin, um die Tsymbalyuk sicherheitshalber gebeten hat – und die nun einspringt: «Er meint wohl: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.»
Vor dem «Boris» war die Zeit der Banquos, Fafners oder Komture, vorzugsweise an seinem ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Markus Thiel
Das Detmolder Landestheater ist ein Ort der Kontinuitäten: Seit zehn Jahren ist Erich Wächter dort GMD, seit acht Jahren Kay Metzger Intendant. Zusammen haben sie das Detmolder Theater zu einem viel beachteten Wagner-Haus gemacht, trotz der beengten Verhältnisse, die in dem weißen Jugendstil-Schmuckkästchen herrschen. Zwischen 2007 und 2009 wurde ein überaus...
Dass Senta die eigentliche Hauptfigur im «Fliegenden Holländer» und dieser nichts anderes als eine Projektion von ihr ist, lässt sich aus Text und Musik dieser romantischen Oper ohne Umwege begründen, und es bietet sich als Ausgangspunkt für eine Interpretation aus heutiger Sicht geradezu an. Florentine Kleppers Einfall, die Geschichte in sich überlagernden...
Die CD eingelegt, den Startknopf gedrückt, und schon können wir sie vor uns sehen, die Runde unternehmungsfroher Sänger, ums Fortepiano geschart zur Schubertiade. Wir meinen zwischen den Titeln das Rascheln von Notenblättern zu ahnen, Gelächter, Geplauder. Sei’s in einer Wiener Wohnung, oder eben im Berliner Teldex Studio. Keine Frage: Atmosphärisch ist sie, diese...
