Ohne Risiko kein Champagner

Alexander Tsymbalyuk ist auf dem Sprung zur Weltkarriere

Opernwelt - Logo

Ob er denn schon von seinen Malkünsten erzählt habe? Und dass er, wenn er in seine Heimatstadt Odessa zurückkehre, immer in der Kirche singe? Mama ist besorgt, ob auch alles gesagt wird, Papa hält sich zurück. Beide sind gewissermaßen Beisitzer bei diesem Interview. Den Sohn haben sie ein paar Tage zuvor auf der Bühne des Münchner Nationaltheaters erlebt – und sind nun stolz. Das können sie auch sein: Alexander Tsymbalyuk, 36 Jahre jung, ist auf dem Sprung zur Weltkarriere.

Erstmals eine stücktragende Rolle, gleich Mussorgskys «Boris Godunow», noch dazu an einem großen Haus, das ist ein Risiko – und war für den Ukrainer mit Wohnsitz Hamburg der Durchbruch. Er selbst formuliert es anders in seinem recht flüssigen Deutsch. «Es ist definitiv ein erster riesiger Schritt ins seriöse, große Fach», sagt Tsymbalyuk. «Ich präsentiere mich nun als Erwachsener.» Keine Angst vor dem Risiko also? «Wer nichts riskiert, der trinkt keinen Champagner.» Großes Gelächter der Dolmetscherin, um die Tsymbalyuk sicherheitshalber gebeten hat – und die nun einspringt: «Er meint wohl: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.»

Vor dem «Boris» war die Zeit der Banquos, Fafners oder Komture, vorzugsweise an seinem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2013
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Im Englischen Garten

Etwa auf halber Strecke zwischen Oxford und dem Londoner Ring liegt Wormsley, das malerische Anwesen der Getty-Familie in den Chiltern Hills. Jeden Sommer zeigt hier die Garsington Opera in bester englischer Picknickatmosphäre drei Opern, mit Blick über Wiesen, Wälder, Wildpark und Wasser. Dieses Jahr auf der Bühne in Robert Snells preisgekröntem Glaspavillon:...

Erfundene Wirklichkeiten

Kaum eine Verdi-Darstellung verzichtet darauf, den bekanntesten Brief des Kom­ponisten zu zitieren: «Das Wahre kopieren mag eine gute Sache sein, aber das Wahre erfinden ist besser, viel besser.» Aus dieser spontanen Äußerung nach dem Besuch eines zeitgenössischen Schauspiels ein ästhetisches Credo abzuleiten, ist so verführerisch wie riskant – umso mehr, als das...

Himmlische Längen

Mit seiner abendfüllenden komischen Oper «Lo frate ’nnamorato» (Der verliebte Bruder, 1732), seiner ersten Arbeit in diesem Genre, hatte der 22-jährige Giovanni Battista Pergolesi in Neapel einen durchschlagenden und anhaltenden Erfolg. Das Libretto steht in der Tradition der neapolitanischen (Dialekt-)Komödie. Der Findling Ascanio liebt Nena und Nina und kann sich...