Grauschwarzweißkariert
Ein Mann, kein Schuss, kein Tod. So geht (sehr frei nach einem Buch des famosen und fußballbegeisterten Feuilletonisten Helmut Böttiger) Oper, wenn die Regie es will, auch in Tschaikowskys «Eugen Onegin». Also steht David Lees Lenskij, der seine letzten Worte vorher mit berührender Innigkeit gesungen hatte, einfach wieder auf, nachdem ihn Eugen Onegin (ein kultivierter Bariton: David Pichlmaier) im Duell aus dem Leben befördert hat, und rauft noch eine Runde mit dem darob nicht einmal verwirrten Titelhelden. Warum es geschieht? Das wird uns nicht erklärt.
Wie so manches, was an diesem seltsamen Abend im Staatstheater Darmstadt zu sehen ist.
Glanz und Elend des Regietheaters liegen in den drei Stunden dicht beieinander. Es gibt fein ausgestaltete Szenen (Triquets Lied etwa, das Michael Pegher mit tenoralem Charme singt, oder Olgas quirlige Tischtanznummer, die zudem von Lena Sutor-Wernichs farbig-expressivem Mezzo lebt), aber es gibt eben auch viele Passagen, in denen man sich verwundert die Augen reibt. Das ist vor allem dort der Fall, wo Isabel Ostermann ihre Theorie von der Fremdheit der jungen Hauptfiguren szenisch zu untermauern sucht, dabei aber vergisst, dass eine ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Jürgen Otten
Sein oder Nichtsein, das ist hier zunächst nicht die Frage. Jedenfalls nicht die allesentscheidende. Man muss schon etwas (und aufmerksam) weiterlesen in Hamlets berühmtem, meist unzulässig verkürzt verstandenen Monolog zu Beginn des zweiten Aufzugs von Shakespeares Drama, um wirklich zu verstehen, was den Dänenprinzen umtreibt, was ihn quält, was ihn zum...
Wir alle kennen die Arbeiten von Barrie Kosky. Und die meisten von uns lieben seine Produktionen. Koskys zehnjährige Intendanz an der Komischen Oper wurde geprägt von gefeierten Wiederentdeckungen und quietschbunten Produktionen; häufig mit dem Choreografen Otto Pichler an seiner (tänzerischen) Seite. Und wer bei den Aufführungen von Koskys Inszenierungen von...
Das Ding, um das es heute gehen soll,
Ist super alt, von Sechzehnhundertseben:
Es liebt der Orpheus seine «Dittsche» voll,
Am Arsch der Welt, genauer: Kreisstadt Theben.
Ein Ort, besetzt von vielen fiesen Tieren.
Die «Dittsche» stirbt am Biss von einer Viper,
Drum greift er prompt zum Instrument der Iren:
Zur Harfe – singt, da kommt vom Gate der Keeper
Und meint:...
