Grauschwarzweißkariert
Ein Mann, kein Schuss, kein Tod. So geht (sehr frei nach einem Buch des famosen und fußballbegeisterten Feuilletonisten Helmut Böttiger) Oper, wenn die Regie es will, auch in Tschaikowskys «Eugen Onegin». Also steht David Lees Lenskij, der seine letzten Worte vorher mit berührender Innigkeit gesungen hatte, einfach wieder auf, nachdem ihn Eugen Onegin (ein kultivierter Bariton: David Pichlmaier) im Duell aus dem Leben befördert hat, und rauft noch eine Runde mit dem darob nicht einmal verwirrten Titelhelden. Warum es geschieht? Das wird uns nicht erklärt.
Wie so manches, was an diesem seltsamen Abend im Staatstheater Darmstadt zu sehen ist.
Glanz und Elend des Regietheaters liegen in den drei Stunden dicht beieinander. Es gibt fein ausgestaltete Szenen (Triquets Lied etwa, das Michael Pegher mit tenoralem Charme singt, oder Olgas quirlige Tischtanznummer, die zudem von Lena Sutor-Wernichs farbig-expressivem Mezzo lebt), aber es gibt eben auch viele Passagen, in denen man sich verwundert die Augen reibt. Das ist vor allem dort der Fall, wo Isabel Ostermann ihre Theorie von der Fremdheit der jungen Hauptfiguren szenisch zu untermauern sucht, dabei aber vergisst, dass eine ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Jürgen Otten
Die Oper als «Kraftwerk der Gefühle», als welche Alexander Kluge sie so treffend bezeichnet hat, war immer schon ein Kampfplatz der Geschlechter. In den aktuellen Debatten über Feminismus, Geschlechtergerechtigkeit und Gender stellen sich viele Fragen zu den Themen des Genres Oper noch einmal ganz neu. Die Literaturwissenschaftlerin, Romanistin und...
Die Hauptsache ist es, das Ballett zuerst aus dem Weg zu schaffen; die Oper allerdings ist so fesselnd, und ich mag die Geschichte so sehr» – so schrieb Peter Tschaikowsky an seinen Bruder Anatol. Die Oper war denn auch ein voller Erfolg, das Ballett dagegen langweilte bei der gemeinsamen Uraufführung 1892 am Petersburger Mariinski-Theater. Doch die Oper wurde...
Die Götter müssen verrückt sein! Wo bin ich da nur hingeraten?» Dergleichen mag Odysseus gedacht haben angesichts der Rumpelkammer, pardon: der begehbaren Kunstinstallation, in die sich Ithaka in den zwanzig Jahren seiner Abwesenheit verwandelt hatte. Wenn er schon die Heimat nicht wiedererkennt, wie wird es dann erst Penelope mit ihm ergehen? Kann es noch eine...
