Nymphenzauber
Die drei Rheintöchter schwingen an Lianen über die Bühne, nackt sehen sie aus, ihre goldblonden Locken-Mähnen wehen im Wind. Am Rande steht der zottelige Satyr Alberich, geifernder Lüstling. Er will eine haben, allzeit bereit mit dauererigiertem Glied. Die Liebe bleibt ihm verwehrt, aber die güldenen Haare, die raubt er. Das war es mit der Natur, mit der Unschuld, an ihre Stelle tritt der Konsum. Dem verfallen alle. Am Ende sogar die Rheintöchter. Nach dem Frevel geht es weiter in einem Heute, das wir nur allzu gut kennen.
Verena Stoiber eröffnete den neuen «Ring»-Zyklus in Chemnitz – drei weitere Regisseurinnen setzen sich bis Jahresende mit der Tetralogie auseinander. Ob ihre Lesart eine spezifisch weibliche ist, sei dahingestellt, schwer zu definieren ist das ohnehin. Stoibers Blick richtet sich, ganz übergeschlechtlich, auf die Konsumkritik. Sicherlich keine ganz neue Sicht auf die «Ring»-Dinge, aber sie hat feine Ideen. Loge, der Brandstifter, ist es, der Alberich stumm das Messer reicht, um den Rheintöchtern Haare und Würde zu nehmen. Wotan und Loge meinen Alberichs Tarnkappen-Verwandlung in Wurm und Kröte zu beobachten, in Wahrheit sehen sie nur, was sie sehen wollen. Er hält ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Nora Sophie Kienast
Erst allmählich wird die Bühne zum Ort, gibt die Weite der Natur das gesellschaftlich Festumrissene frei. Die Freiburger Szene zu Leoš Janáčeks «Katja Kabanowa» stammt von Alfred Peter und sagt mehr als tausend Worte. Wie aus der Tiefe des Raumes herangezoomt, mit der Lupe betrachtet: zwei Zimmer wie Puppenstuben, Gefängnisse überwiegend bigotter Tradition – Enge,...
Man sieht es und staunt: Mitten auf der kleinen Bühne des Theaters Plauen ist ein fliegender Teppich gelandet und hat gleich einige Musiker aus dem Orient ins schöne Sachsen mitgebracht. Diese ergänzen nun mit authentischen Klängen aus ihrer Heimat die von Peter Cornelius recht umständlich erzählte Geschichte vom verhinderten Liebespaar und der Hilfe durch den...
Vierzig Jahre? Eigentlich kein Alter. Und wenn, dann das beste, wie es so schön heißt. Lebt man allerdings in einer Zeit, in der Aufmerksamkeit die härteste Währung ist und der kulturelle Kapitalismus das (scheinbar) Attraktive bevorzugt, muss man sich schon strecken, schminken, mindestens Schauder erregen. Oder man leistet, im umkämpften urbanen Raum, etwas...
