Neunmalklug
Angeblich liegt Jules Massenets Oper «Hérodiade» Gustave Flauberts gleichnamige Erzählung zugrunde. Flaubert freilich hält sich in diesem Spätwerk genau an den biblischen Befund, wie ihn auch Strauss’ «Salome» in etwa wiedergibt.
Diese kurze Geschichte (bei Strauss reicht sie ja auch nur für einen Einakter) schien für eine Grand Opéra ein bisschen dürftig, und so plusterten die Librettisten Milliet und Grémont sie mit allerlei Intrigen auf: Salome und Herodias sind Rivalinnen, wissen aber voneinander zunächst nicht, dass sie Mutter und Tochter sind; die darob leicht neurotische Salome hängt mit schwärmerischer Liebe an dem Wanderprediger Johannes, wird ihrerseits aber von Herodes begehrt. Sie fordert auch nicht Johannes’ Kopf, fleht vielmehr um sein Leben. Als das fehlgeht, stürzt sie sich in mörderischer Absicht auf Herodias; als sie erfährt, dass diese ihre Mutter ist, tötet sie sich selbst.
Die ursprüngliche Geschichte verschwindet hinter solcherlei holzschnittartiger Opern-Kolportage. Zudem wird das Ganze mit breit ausgeführten Massenszenen im «orientalischen Stil» prächtig aufgezäumt. Man hat «Hérodiade» deswegen mit Verdis «Aida» verglichen: Während aber dort die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Ingo Dorfmüller
Chacun à son goût», lautet die Lebensmaxime des Prinzen Orlofsky. Der blasierte Lebemann, der sein Geld in vollen Zügen hinauswirft, langweilt sich und möchte endlich wieder einmal herzhaft lachen. Die Frankfurter Neuinszenierung von Christof Loy kann (und will) da keine Abhilfe schaffen. Selten wurde in einer Aufführung der «Fledermaus» so wenig gelacht wie an...
Als «das größte gesellschaftliche Ereignis seit der englischen Krönung» wurde die Wiedereröffnung der im Krieg zerstörten Wiener Staatsoper von Publikum und Presse wahrgenommen. Prominenz aus aller Welt war angereist, und das noch in den Kinderschuhen steckende Fernsehen übertrug live, als am 5. November 1955 im neu aufgebauten Theater der Vorhang zum «Fidelio»...
«Soeben gelesen. Bravo, Bravissimo» – in diesen Ruf dürfte der Leser ausbrechen, der Fabian Kerns Dissertation über die Beziehungen der Coburger Theatermalerfamilie Brückner zu den Bayreuther Festspielen von 1876 bis 1914 gelesen hat. Das mit vielen Erstveröffentlichungen reich bebilderte Buch zeigt, dass geduldiges Quellenstudium noch viele unbekannte wie wichtige...
