Neues Licht
Von Pergolesi waren bis vor Kurzem mehr ihm untergeschobene oder fälschlich zugeschriebene Werke im Umlauf als echte. Das Verhältnis von authentischen zu unechten Kompositionen beträgt eins zu zehn – einer der höchsten Werte in der gesamten Musikgeschichte. Umso größer ist die Überraschung, wenn jetzt erstmals zwei umfangreiche Werke des früh verstorbenen Neapolitaners als Ersteinspielungen vorgelegt werden – die Messe in D-Dur sowie eine gänzlich neu aufgefundene Marien-Motette.
Beide Veröffentlichungen sind dem Mailänder Centro Studi Pergolesi zu verdanken, wobei der schlecht überlieferte Mottetto «Dignas laudes resonemus» (was das Booklet schamhaft herunterspielt) rekonstruiert und ergänzt werden musste – in welchem Umfang bleibt offen. Dennoch ist er, im Hinblick auf Pergolesis weitere Entwicklung, die sensationellere Entdeckung. Denn hier dialogisieren die trauernde Maria und der wiederauferstandene Jesus auf geradezu opernhafte Weise miteinander, ja vereinen sich ihre Stimmen sogar zu einem fast zehnminütigen förmlichen Duett, das mit seiner einschmeichelnden Empfindsamkeit bereits die schmerzvolle Schönheit des berühmten «Stabat mater» ahnen lässt.
Die Kantaten-Messe ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Uwe Schweikert
Herr Kowaljow, Sie haben als Mechaniker und bei der Feuerwehr gearbeitet, sind auch Soldat gewesen. Sind Sie rein zufällig professioneller Sänger geworden?
Es kam zunächst für mich überhaupt nicht in Frage. Von 1987 bis 1989, also noch zu Sowjetzeiten, diente ich für die Rote Armee am Nordpol und hatte das Kommando über 34 Soldaten. Eigentlich wollte ich meine...
Herrlich, diese Karikatur! Vier Komponisten (Siegfried Wagner, Max Reger, Richard Strauss, Eugen d’Albert) und ein Dirigent (Arthur Nikisch) stehen da, mehr oder minder gramgebeugt und recht ratlos, wie es scheint, um einen Flügel herum. Auf einem Stuhl davor ein Winzling, dessen zarte Füße nicht einmal im Traum an die Pedale reichen würden, dessen (bebrilltes)...
Dass die Musikgeschichte nicht linear verläuft, anders als mancher deutsche Musikideologe uns bis zum Anbruch der Postmoderne weismachen wollte, war für Operngänger während der 1920er-Jahre allabendliche Erfahrung. Neben Strauss, Puccini, Schreker, Korngold und Berg blühte mit einem Mal diametral die Zeitoper: pointierte, freche, meist kurze Bühnenwerke, die oft...
