Nebelschwaden
Ein Mann schlurft im graublauen Arbeitskittel auf die Bühne und stutzt angesichts des offenbar unerwarteten Publikums. Die Szene kennt man so ähnlich aus dem Theaterkabarettstück «Die Sternstunde des Josef Bieder», bei dem ein Requisiteur ungewollt zum Entertainer wird. Aber im Programmheft steht ausdrücklich: «Wenig Text in deutscher und englischer Sprache.» Und außerdem steht da: «Konzept, Inszenierung, Bühne, Video – Thom Luz».
Insofern muss gar nicht mehr erwähnt werden, dass es auch keine Handlung im hermeneutischen Sinne gibt.
Dafür steht der Name des einstigen Basler Hausregisseurs unter Andreas Beck und nunmehr in gleicher Eigenschaft am Münchner Residenztheater Beschäftigten: für Überschreibungen, für Theater nach einem mitunter kaum zu ergründenden Kompass. In «4½ Jahreszeiten – Eine Sinfonie-Überschreibung mit Zwischentönen» am Theater Basel geht alles von einer Orchesterprobe aus. Auf dem Programm: Haydns Oratorium «Die Jahreszeiten». Obwohl – da sind die Musikerinnen und Musiker sich offenbar nicht ganz einig; manche würden es wohl gerne auch mit den «Vier Jahreszeiten» von Antonio Vivaldi versuchen. Doch der Dirigent bleibt unerbittlich und schickt, nachdem er die ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Alexander Dick
Autorität
Die großen Bühnen der Welt sind ihm vertraut. Vladimir Jurowski hat sein immenses Können als Dirigent bereits an der Met sowie in Paris, London, Mailand und Moskau unter Beweis gestellt. Nun tritt er als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in die Fußstapfen seines nach Berlin enteilten Landsmannes Kirill Petrenko. Ein Porträt
Anti-Diva
Ihre...
JUBILARE
Graham Clark war zunächst Sportler und Lehrer, ehe er seine Gesangskarriere begann. Mit 34 wurde der in Lancashire geborene Tenor von Richard Bonynge für eine Charity-Gala ausgewählt, bei der auch Joan Sutherland mitwirkte. Die im Fernsehen ausgestrahlte Show («Darwin – Song for a City», 1975) war sein Sprungbrett auf die Bühnen der Welt, wo er immer...
Richard Wagner selbst sah sie bekanntlich als Studien zur ultimativen Obsession seiner «Handlung» in drei Aufzügen. Und auch für Anja Harteros dürften die «Wesendonck-Lieder» ein Etappenziel gewesen sein – zur ersten Isolde, die sie im Sommer am Münchner Uraufführungsort riskierte (OW 8/2021). Weniger um Konditionelles ging es naturgemäß bei der CD-Einspielung der...
