Gesamtkunstwerk
In der Causa Isolde herrscht im Grunde Einigkeit: Diese Rolle zu singen, ist unglaublich schwierig, psychisch wie stimmlich über alle Maßen anstrengend. Catherine Foster tritt in Füssen den Gegenbeweis an: Plötzlich wirkt all das Schwere so leicht, naturhaft, ursprünglich.
Gebannt hängen wir an den Lippen ihrer irischen Königsbraut, erleben, wie sie sich aus ihrer anfänglichen Ohnmacht zur »Herrin des Schweigens« wandelt, wie sie »Herrn Tristan« die Leviten liest, so lange, bis er betreten einwilligt, die Schnapsidee ihrer Heirat mit seinem Onkel Marke durch gemeinsamen Tod zu sühnen. Wir verlassen das Theater und sind bewegt, erfüllt. Verzaubert von der Zauberin, die alle und alles überstrahlt hat.
Catherine Foster, zwei Tage vor der Premiere eingesprungen, ist die Zauberin der Aufführung in Füssen bei den erstmals ausgerichteten Musikfestspielen Königswinkel. Sie zeigt an diesem Abend, wie nahe man dem Ideal einer Sängerdarstellerin kommen kann. Foster formt die ganze Partie aus dem Wort heraus, ergründet Bedeutung und Motivation dahinter, entscheidet dann, wie sie gewichten will. Musikalische Linie, Präsenz, Wucht, all das wächst ganz natürlich, wirkt gänzlich schwerelos und ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Stephan Knies
Sein Entrée ist eigentlich standesgemäß. Wie von Picasso, Doré oder Grandeville illustriert tritt Don Quijote (Richard Šveda) in Manuel de Fallas «Meister Pedros Puppenspiel» aus dem roten Vorhang heraus auf die Bühne der Deutschen Oper am Rhein, spitzbärtig, mit quirlig grauen Haaren unterm Helm, ein Schwert im Gürtel, in (s)ein Buch vertieft. Doch bald schon holt...
Der Stall ist dreigeteilt: An den beiden Enden stehen die gemauerten Boxen für die Schweine, in der Mitte hingegen findet das Rindvieh ausreichend Platz und Futtertröge. Tagsüber weidet es auf den grünsaftigen Wiesen, die sich über jene sanft-hügelige Landschaft auf der südschwedischen Bjäre-Halbinsel erstrecken, der die Touristiker des 21. Jahrhunderts den...
Kris Defoorts jüngste Oper geht unmittelbar aus dem Singen hervor, zugleich ist Gesang in der Saga einer US-amerikanischen Familie das einigende Band zwischen Schwarzen und Weißen. «The Time of Our Singing» kann daher als Gesangsoper im doppelten Wortsinn verstanden werden. Das dreiaktige Werk beruht auf dem 2003 erschienenen, gleichnamigen Roman von Richard...
