Gesamtkunstwerk
In der Causa Isolde herrscht im Grunde Einigkeit: Diese Rolle zu singen, ist unglaublich schwierig, psychisch wie stimmlich über alle Maßen anstrengend. Catherine Foster tritt in Füssen den Gegenbeweis an: Plötzlich wirkt all das Schwere so leicht, naturhaft, ursprünglich.
Gebannt hängen wir an den Lippen ihrer irischen Königsbraut, erleben, wie sie sich aus ihrer anfänglichen Ohnmacht zur »Herrin des Schweigens« wandelt, wie sie »Herrn Tristan« die Leviten liest, so lange, bis er betreten einwilligt, die Schnapsidee ihrer Heirat mit seinem Onkel Marke durch gemeinsamen Tod zu sühnen. Wir verlassen das Theater und sind bewegt, erfüllt. Verzaubert von der Zauberin, die alle und alles überstrahlt hat.
Catherine Foster, zwei Tage vor der Premiere eingesprungen, ist die Zauberin der Aufführung in Füssen bei den erstmals ausgerichteten Musikfestspielen Königswinkel. Sie zeigt an diesem Abend, wie nahe man dem Ideal einer Sängerdarstellerin kommen kann. Foster formt die ganze Partie aus dem Wort heraus, ergründet Bedeutung und Motivation dahinter, entscheidet dann, wie sie gewichten will. Musikalische Linie, Präsenz, Wucht, all das wächst ganz natürlich, wirkt gänzlich schwerelos und ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Stephan Knies
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Gefragt, welcher griechische Künstler des 20. Jahrhunderts einem spontan als «prägend» in Erinnerung sei, werden womöglich nicht wenige ihn als ersten nennen. Und dies aus gleich zwei Gründen: einem musikalischen und einem politischen. Denn wie kaum ein anderer hat Mikis Theodorakis kompositorische Wirksamkeit gesucht (und gefunden) und zugleich als Homo politicus...
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