Nächtlich-galaktisch
Dass Wagner auch an kleineren Häusern funktioniert, ist am Klagenfurter Stadttheater längst bewiesen. Der 1910 eröffnete Musentempel im klassizistischen Stil mit elegant platzierten Jugendstil-Elementen hat bereits einen kompletten «Ring» mit Erfolg gestemmt und setzt selbstbewusst nun auch «Tristan und Isolde» zur Saisoneröffnung auf den Spielplan.
Die Herausforderung, die Klangfluten für einen kleinen Raum ins Kammermusikalische gleichsam zu «übersetzen», ist auch in diesem Werk immens; der tatsächliche Mangel an äußerer Handlung muss auf der Bühne kompensiert, aber nicht verkleinert werden ins Anekdotische.
Dennoch liegt der Schlüssel zum Gelingen eines «Tristan» im Graben. Der neue GMD Chin-Chao Lin geht mit den akustisch schwierigen Voraussetzungen souverän um. Schon im Vorspiel setzt er auf eine rhetorisch-atmende Musizierweise, geht aber doch flüssig voran, sodass mangels sanft verklingenden Nachhalls nichts verkümmert. Klanglich muss Lin im weiteren Verlauf sein reduziert besetztes Kärntner Sinfonieorchester nicht zügeln – das Vokalensemble besteht durchgehend aus ausgewachsenen Wagner-Stimmen, was allerdings eher zum Problem wird, da man die Anstrengungen dieser ...
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Opernwelt Dezember 2025
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Regine Müller
Der Banyan-Baum besitzt in Taiwan eine hohe Symbolkraft. Sein breites Blätterdach bietet Schatten vor der subtropischen Sonne, Schutz bei nachmittäglichen Regengüssen und Platz für Schachspieler oder Picknickrunden. In Kaohsiung, mit 2,7 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes, wächst er auch auf dem Gelände von Weiwuying, einem ehemaligen...
Erlösung heißt hier Hofstallgasse, das Flanierfeld vor den Festspielhäusern. Ein entspanntes Schlendern, händchenhaltend, vielleicht auf dem Weg zu einem G’spritzten. Und ein Blick zurück in die Videokamera: Holländer und Senta, nach letzten stimmtötenden Phrasen nun glücklich vereint. Man fürchtet ein wenig, dass sie zu Wagners finalen Takten auch noch winken. Es...
Wie sich die Bilder gleichen. Wenn sich im Jugendstiljuwel des Lübecker Theaters Karola Sophia Schmid als Sophie und Frederike Schulten als Octavian mit einer nachgerade huldvollen Verbeugung jenem aromatisch aphrodisierenden Gewächs (und damit erstmals auch einander) zuwenden, scheint in der Neuinszenierung jene ikonisch gewordene Rosenüberreichung erneut auf, die...
