Nachwirkendes Gift
Sir Georg Solti erinnerte sich: Schon 1947 habe er als Mittdreißiger an der Bayerischen Staatsoper einen «Tristan» dirigiert – auswendig. Der greise Richard Strauss äußerte sich im Gespräch danach höchst anerkennend, auch über die Gedächtnisleistung, um dann überraschend zu fragen: Im H-Dur-Schluss, dem klanglich «schönsten» Akkord der Musikgeschichte, spielten alle Instrumente, mit einer Ausnahme. Ob er, Solti, wisse, welches Instrument dies sei. Der Gefragte gestand seine momentane Blockade. Worauf Strauss trocken erwiderte: «Ist doch ganz einfach – das Englisch-Horn.
Das Gift ist raus!»
Nun spielt Gift bei Wagner eine ganz besondere Rolle, als Droge wie als Tötungsmittel, das zugleich das Sterben verhindert. Tristans Wunde will sich nicht schließen, die Qual steigert sich ins Unermessliche, doch nur in Isoldens Armen wird ihm Erlösung im Liebestod zuteil. Das Leiden des Amfortas besteht erst recht im perennierenden Nicht-Leben-Können und Nicht-Sterben-Dürfen.
Rettung verheißen einzig der «reine Tor» und: «Der Speer nur schließt die Wunde, der sie schlug.» Die Unaufhörlichkeit der Verzweiflung gehört zum Heilsplan. Aufstieg wie Fall Siegfrieds in der «Götterdämmerung» bewirken ...
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Opernwelt Jahrbuch 2023
Rubrik: Mythos Wagner, Seite 123
von Gerhard R. Koch
«Stephans ernste Begabung steht außer Frage.» Das schrieb der noch keine 21 Jahre alte Theodor Wiesengrund-Adorno (der sich erst im amerikanischen Exil als Theodor W. Adorno bezeichnete) im Mai 1924 über eine Aufführung von Rudi Stephans 1913 entstandener «Musik für Geige und Orchester». Doch empfand er den im Weltkrieg Gefallenen bereits als Zeuge einer...
Wir kennen diese Frau, ihr Leiden, ihre Einsamkeit. Und doch erstaunt die Drastik, mit der Barrie Kosky Katja Kabanowa in seiner Salzburger Festspiele-Inszenierung in den Vordergrund rückt und wie getrieben die Titelfigur in Janáčeks Oper ist. «Fast obsessiv rauft sich Corinne Winters (die uns, wie schon in der Genfer «Jenůfa», erneut mit ihrem enormen...
John Allison
London
Opera
1. Yonatan Cnaan: «Theodor» (Pfeffer/Ricklin), Israeli Opera Tel Aviv
2. Francesco Corselli: «Achille in Sciro» (Bolton/Clément), Teatro Real Madrid
3. Sergej Prokofjew: «Krieg und Frieden» (Jurowski/ Tcherniakov), Bayerische Staatsoper München
4. Dmitri Tcherniakov
5. Boris Kudlička
6. Jorge Jara
7. Lidiya Yankovskaya
8. Piotr...
