Schwarz und Weiß
Auf einen Sturm und peitschendes Wasser wartet man vergeblich. Der neue «Otello» in Heidelberg, die erste Arbeit des Regisseurs Alexander Fahima an einem größeren Stadttheater, ist das Gegenteil einer realistischen Lesart: abstrakt und stilisiert bis in die Kostüme. Bühnenbildner Bart Wigger hat eine schwarz geteerte Mauer aus Holz errichtet. Anklänge an die Seefahrt sind also da, mehr noch ist diese Mauer aber Abbild von Otellos bedrängter, dunkler Seele. Bis zur Decke reicht sie, der Platz, der davor zum Agieren bleibt, ist schmal.
Immer wieder öffnen sich große und kleine Fenster, in denen wichtige Szenen spielen. Sie erlauben Einblick in die Psyche der getriebenen Hauptfigur und wirken, als sei das Geschehen durch ihr Bewusstsein reflektiert. Der scharfe Schwarz-Weiß-Kontrast der Kostüme (Reinhard von der Thannen) suggeriert, dass es in dieser Welt keine Zwischentöne gibt, nur die Gesellschaft der Venezianer auf der einen Seite und das Fremde, verkörpert durch den dunkelhäutigen Krieger, auf der anderen.
Dieser Otello ist ein Hüne von Mann. Gewaltig, massig, Ehrfurcht gebietend – ein Schlachtross, ein Held, ein Führer. Der Texaner Ray M. Wade, Jr. verleiht dieser Figur schon in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Udo Badelt
Es ist eine Berufung mit Planziel. Nicht nur, dass die Stadt mit ihrem neuen Intendanten Übliches vereinbart hat, im Fall von Ulf Schirmer zwei Premieren und bis zu 30 Dirigate pro Spielzeit. Zugleich erging auch ein inhaltlicher Auftrag: Die Leipziger Oper müsse zum Repertoire-Haus umgebaut werden. «Kein Stagione-Betrieb also», sagt der gerade Berufene, «weg auch...
Eine knappe Woche vor dem großen Tag fiel die Entscheidung. Kein Anruf bei den Agenturen, keine Fahndung nach einem prominenten Ersatz für die an Lungenentzündung erkrankte Vesselina Kasarova; stattdessen ein Gespräch mit der zum Ensemble gehörenden Mezzosopranistin Tara Erraught. Ein Risiko, gerade im nach Namen lechzenden München: Erraught, die 24-jährige Irin,...
Wenn Eimuntas Nekrosius in Vilnius zur Opernpremiere lädt, ist das für Litauen ein nationales Ereignis. Ursprünglich war sein «Otello» zum 90-jährigen Jubiläum der ersten stehenden Opern-Kompagnie des Landes geplant. Das Debakel seiner «Faust»-Inszenierung an der Mailänder Scala, wofür nicht zuletzt der Streik des Opernchores verantwortlich gemacht wird, stürzte...
