Multiple Identität

Im Juni 2016 brachte die Neuköllner Oper ein Musical über die Geschichte der jüdischen Gestapo-Agentin Stella Goldschlag heraus. Deren Erben fordern die Absetzung des Stücks

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Sie hatte mehrere Namen, hieß Stella Goldschlag und Stella Kübler-Isaaksohn, am Ende ihres Lebens auch Ingrid Gärtner (Foto). Eine Frau, die in ihren multiplen Identitäten untertauchte, deren Geschichte wohl auch deshalb heute nur wenige kennen. Dabei wirft ihre Biografie Licht auf eine weniger bekannte Facette des Holocaust: Selbst im Nazireich war die tödliche Linie zwischen deutschen Tätern und jüdischen Opfern nicht immer eindeutig gezogen. Es gab Graustufen, die sich dem unmittelbaren Verständnis entziehen.

Stella Goldschlag, selbst jüdischer Abstammung, verriet ab 1943 als sogenannte «Greiferin» in Berlin mehrere hundert versteckt lebende Juden an die Gestapo und verhaftete sie teilweise auch selbst – die Ausgelieferten erwartete der Tod im Konzentrationslager. Nach dem Krieg wurde sie vom sowjetischen Militärtribunal verurteilt, saß zehn Jahre im Gefängnis, stand in West-Berlin erneut vor Gericht, trat zum Christentum über, bezeichnete sich selbst als Antisemitin – und nahm sich 1994 in Freiburg im Alter von 72 Jahren durch einen Sprung aus dem Fenster das Leben.

Ihr Fall ist wieder in die Schlagzeilen gekommen – aber nicht, weil Peter Lund (Buch) und Wolfgang Böhmer ...

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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Udo Badelt

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