Münchner Mischung

Mit Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» stemmte die Bayerische Staatsoper nicht nur die «Aufführung des Jahres». Ein Rückblick

Opernwelt - Logo

Kurz vor Toresschluss wurde es eng. So eng, dass eine «Ariadne» noch schnell umgekrempelt werden musste: Gleich mehrere Sänger, die für diese Repertoire-Serie vorgesehen waren, wurden abgezogen und durch Neueinkäufe ersetzt. Mehr als gedacht hatten sie mit parallel laufenden Premierenproben zu tun. Dann also lieber auf Nummer sicher gehen. ­Andere Intendanten mögen da neidisch auf ihr schmelzendes Budget blicken, ein Haus wie das Münchner kann sich solche Umbuchungen leisten.

Erst recht, wenn eine Ausnahmeproduktion wie «Die Soldaten» ansteht, die Kräfte bindet, den Alltag schier sprengt, den Repertoirebetrieb fast lahmlegt. Und dazu im Graben ein Maestro wie Kirill Petrenko regiert, der noch in der Endphase, wenn es eigentlich ums große Ganze gehen sollte, die Rührtrommel im Off und die Celli am letzten Pult korrigiert.

Nicht nur die kleine Panik ein paar Tage vor der Premiere hat sich ausgezahlt. Bernd Alois Zimmermanns «Die Soldaten», die «Aufführung des Jahres» am «Opernhaus des Jahres» mit dem «Dirigenten des Jahres», ist vieles. Triumph der musikalischen Fraktion. Souveräne Leistungsschau eines Supertankers. Bestätigung einer künstlerischen Entwicklung. Und auch Versöhnung mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Aufführung des Jahres, Seite 27
von Markust Thiel

Weitere Beiträge
Adriana Hölszky: «Böse Geister» und «Deep Field»

Wenn sie sich verbeugt, denkt man unwillkürlich an eine verlegene Handarbeitslehrerin. Mit kleinen Schritten schiebt Adriana Hölszky ihre stolze und trotzdem geduckte, meist unauffällig gekleidete Gestalt nach vorn. Neigt nur knapp den Kopf, strahlt aber doch ein wenig über den ihr entgegenbrandenden Applaus. Und tritt sofort wieder ­zurück, verbirgt sich in den...

Wichtige Sänger der Saison

Auf dieses Debüt waren alle gespannt: Christian Gerhaher als Mozarts skrupelloser Verführer? Dieser tiefernste, skrupulöse Sänger? Christof Loy schickte ihn in Frankfurt als alten Mann auf die Bühne, und er sang den Don Giovanni mit einer Stimme voller Abgründe, vereinte Kraft und Zerbrechlichkeit, Frische und Reife – und gestaltete die Rezitative so nuanciert wie...

Bühnenbildner des Jahres

Dass Aleksandar Denic Set Design studierte, lag irgendwie in der Familie – ein Großonkel Bühnenbildner, Vater und Großvater Architekten. 1987 bekam Denic sein erstes professionelles Engagement beim Film, ein Jahr später am Theater. Er hat die Inneneinrichtung von Cafés und Bars entworfen, auch Kulissen für Events und Werbespots. Die Arbeit fürs Kino führte ihn...