Mosebachs Monologe
Seit einiger Zeit schon passen Theatermachern die Texte von Beethovens «Leonore»/«Fidelio» nicht mehr so recht ins Konzept. Mit dem Hohelied auf Ehe und Familie im Gefängnishof können sie so wenig anfangen wie mit dem Gottvertrauen des politischen Gefangenen im finsteren Verlies. Das Jubelkantaten-Finale erscheint gar als Zumutung – es wird gern als konzertanter Schluss angehängt – ein Appendix, der aus der vorausgehenden Handlung kaum abzuleiten ist.
Johann Kresnik sorgte bereits vor gut zehn Jahren in Bremen für eine gründliche Dekonstruktion des Stoffes: Den ersten Akt zeigte er in Anspielung auf die bedrohte Existenz von Werftarbeitern, den Kerker-Akt rückte er aus dem Dunkel ins grelle Licht einer Biertenne. Und ein satt rülpsender Florestan lallte im Vollrausch von allen möglichen Liebchen, desinteressiert an Gattin und Befreiung. Gründlicher ließ sich gegen Joseph Ferdinand von Sonnleithners Libretto nicht opponieren, einen Text, den Friedrich Treitschke zum Ideendrama zu promovieren suchte. Auch alle Bemühungen, das Stück als provokante Politparabel einzurichten, sollten mehr oder wenig kläglich scheitern – zumal wenn die Handlung in ein Nazi-KZ oder nach Guantanamo ...
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Regisseurinnen haben ihre eigene Sicht auf Beethovens «Fidelio». Vom nationalen Pathos der «Rettungsoper» lassen sie sich kaum einschüchtern und interessieren sich stark für die Frauen Leonore und Marzelline, deren Identität im patriarchalisch geführten Staatsgefängnis von Sevilla auf eine harte Probe gestellt wird. Amélie Niermeyer, seit zwei Jahren...
