Mosebachs Monologe

Paris/Palais Garnier, Beethoven: Fidelio

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Seit einiger Zeit schon passen Theatermachern die Texte von Beethovens «Leonore»/«Fi­delio» nicht mehr so recht ins Konzept. Mit dem Hohelied auf Ehe und Familie im Gefängnishof können sie so wenig anfangen wie mit dem Gottvertrauen des politischen Gefangenen im finsteren Verlies. Das Jubelkantaten-Finale erscheint gar als Zumutung – es wird gern als konzertanter Schluss angehängt – ein Appendix, der aus der vorausgehenden Handlung kaum abzuleiten ist.

Johann Kresnik sorgte bereits vor gut zehn Jahren in Bremen für eine gründliche Dekonstruktion des Stoffes: Den ersten Akt zeigte er in Anspielung auf die bedrohte Existenz von Werftarbeitern, den Kerker-Akt rückte er aus dem Dunkel ins grelle Licht einer Biertenne. Und ein satt rülpsender Florestan lallte im Vollrausch von allen möglichen Liebchen, desinteressiert an Gattin und Befreiung. Gründlicher ließ sich gegen Joseph Ferdinand von Sonnleithners Libretto nicht opponieren, einen Text, den Friedrich Treitschke zum Ideendrama zu promovieren suchte. Auch alle Be­mühungen, das Stück als provokante Politparabel einzurichten, sollten mehr oder wenig kläglich scheitern – zumal wenn die Handlung in ein Nazi-KZ oder nach Guantanamo ...

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Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Frieder Reininghaus

Vergriffen
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