Tausendjähriges Reich
Glücklich das Land, das keine Helden braucht, schrieb Bertolt Brecht. Hinsichtlich von Svätopluk dem Ersten aus dem Geschlecht der Mojmiriden (gestorben 894) ist der Slowakei in dieser Hinsicht kein Vorwurf zu machen, denn «Held» war er keiner. Vielmehr ein Realpolitiker höchsten Grades, rücksichtslos in der Durchsetzung seiner Ziele. Unter ihm wurde Großmähren zum mitteleuropäischen Imperium.
Vor seinem Tod, erzählt die Legende, habe er seine drei Söhne zu sich gerufen, jedem einen Weidenzweig in die Hand gegeben und ihnen befohlen, diesen zu brechen, was den Prinzen mit Leichtigkeit gelang. Doch als der König die drei Weidenzweige zusammenbinden ließ und seine Söhne danach aufforderte, das Bündel zu brechen, gelang es ihnen nicht. Auf diese Weise demonstrierte Svätopluk die Notwendigkeit des Zusammenhalts. Doch die Demonstration fruchtete wenig: Nach seinem Tod bekriegten die Söhne Mojmír, Svätopluk jr. und Predslav sich, teilten das Reich untereinander auf, worauf es, geschwächt, zerfiel.
Die Weidenzweiggeschichte erscheint auch in der Oper «Svätopluk» des slowakischen Komponisten Eugen Suchon. In diesem Werk stirbt der König (in Bratislava der expressive Ján Galla) angesichts ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am Abend des 21. Januar 2008 versetzten der Regisseur Benjamin Lazar und der Dirigent Vincent Dumestre die französische Opernszene in einhelligen Begeisterungstaumel. «Ein berauschendes Barockfest», schwärmte «Libération» über die neue Produktion an der Opéra Comique, «ein Spektakel, das man gesehen haben muss», konstatierte der «Figaro», und «Le Monde» pries das...
Verdis selten gespielte Oper «I masnadieri» nach Schillers aufrührerischem Jugenddrama «Die Räuber» entstand gleichzeitig mit «Macbeth». Allein schon die Nachbarschaft zum finstersten Melodramma der italienischen Opernromantik müsste aufhorchen lassen. Das Libretto des mit Verdi befreundeten Schiller-Übersetzers Andrea Maffei, der auch beim «Macbeth» die Hand im...
Hans Pfitzner ist durch Ingo Metzmachers Aufführung der Eichendorff-Kantate «Von deutscher Seele» (1921) mit ihrem völkisch dröhnenden Schluss «Fass das Steuer, lass das Zagen» am Nationalfeiertag wieder als unverbesserlicher Antisemit, Nazi-Sympathisant und Reaktionär ins Gerede gekommen. Die harfenumrauschte Elfen-Oper «Die Rose vom Liebesgarten» (1901) nötigt...
