Tausendjähriges Reich
Glücklich das Land, das keine Helden braucht, schrieb Bertolt Brecht. Hinsichtlich von Svätopluk dem Ersten aus dem Geschlecht der Mojmiriden (gestorben 894) ist der Slowakei in dieser Hinsicht kein Vorwurf zu machen, denn «Held» war er keiner. Vielmehr ein Realpolitiker höchsten Grades, rücksichtslos in der Durchsetzung seiner Ziele. Unter ihm wurde Großmähren zum mitteleuropäischen Imperium.
Vor seinem Tod, erzählt die Legende, habe er seine drei Söhne zu sich gerufen, jedem einen Weidenzweig in die Hand gegeben und ihnen befohlen, diesen zu brechen, was den Prinzen mit Leichtigkeit gelang. Doch als der König die drei Weidenzweige zusammenbinden ließ und seine Söhne danach aufforderte, das Bündel zu brechen, gelang es ihnen nicht. Auf diese Weise demonstrierte Svätopluk die Notwendigkeit des Zusammenhalts. Doch die Demonstration fruchtete wenig: Nach seinem Tod bekriegten die Söhne Mojmír, Svätopluk jr. und Predslav sich, teilten das Reich untereinander auf, worauf es, geschwächt, zerfiel.
Die Weidenzweiggeschichte erscheint auch in der Oper «Svätopluk» des slowakischen Komponisten Eugen Suchon. In diesem Werk stirbt der König (in Bratislava der expressive Ján Galla) angesichts ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die niederländische Provinzstadt Maastricht ist bei uns vor allem wegen des dort vereinbarten EU-Vertrags ein Begriff. Empfindsame Stadtreisende wissen ihre architektonischen Schönheiten zu rühmen. Als lokales Opernzentrum ist sie bisher außerhalb des Landes nur wenig zur Kenntnis genommen worden. Das könnte und soll sich ändern, jedenfalls nach dem Willen der...
Wenn in «Madama Butterfly» Fetzen der amerikanischen Nationalhymne erklingen, hält das Publikum sie stets für den Herkunftsnachweis von Pinkerton, der als US-Marineoffizier das Herz der kleinen Cio-Cio-San bricht. Die Kölner Neuinszenierung von Patrick Kinmonth beweist, dass sie auch für Butterfly eine Sehnsuchtsmelodie sind. Die Oper ist ja eine getarnte Parabel...
Irgendwann muss es ja einer mal aussprechen: Die meisten Sängerinnen haben einen schrecklichen Geschmack, was ihre Konzertkleidung betrifft. Beim Abschlusskonzert des 37. Bundeswettbewerbs Gesang schwebt am 1. Dezember gleich eine ganze Reihe grauenhafter Roben über die Bühne der Deutschen Oper Berlin: Kleider, die so gestrig, so trutschig, so geschmacklos in ihrem...
