Mixtur für die Sommerfrische
Schon unter der Direktion von Stéphane Lissner, aber auch seit dem Amtsantritt Bernard Foccroulles (2007) fungiert das Festival von Aix-en-Provence als Gegengewicht zu dem, was heute gemeinhin unter «kritischem» Musiktheater verstanden wird. Es sind weniger starke Ideen oder Konzepte, auch nicht thematische Leitlinien, die den Geist von Aix prägen, sondern – wohl abgewogen – Trends und Duftnoten, die in der Luft liegen. Die szenische Befragung der Werke wirkt generell optisch attraktiv; weltgewandter Konservatismus dominiert.
Man hat das Gefühl, dass Aix immer auch auf das Einverständnis jener Schichten schielt, die Parameter des guten Geschmacks vorgeben. Experimente der musikalischen Avantgarde oder ein Theater, das sich an gesellschaftlichen Verwerfungslinien entzündet, wird man nicht finden. Die schicke, elegante Einrichtung von Repertoirestücken paart sich mit Proben einer gemäßigten Moderne. Musik und Musiktheater als ferngerückte Gegenwelt zu den Niederungen des Alltags. Eine spielerische Mixtur für die Sommerfrische.
Überlebenskampf:
«La traviata»
Die Uraufführungsproduktion, Oscar Bianchis Kammeroper «Thanks to My Eyes», kam beim Publikum ebenso gut an wie der ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Frieder Reininghaus
Blaue Lichtprospekte. Scherenschnitthafte Figuren. Dazu ein autistisches Beharren auf sich selbst. Wer hätte gedacht, dass bei einer solch asketischen Diät der Mittel, wie sie Robert Wilson an den Tag legt, eine so lange Karriere überhaupt möglich ist?
Viel ist anfangs gelästert worden über die «blöde-kunstgewerblichen Bildchen», über ein «Theater der Sinnlosigkeit,...
Gottfried von Einems 1947 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte Oper «Dantons Tod» war einer der großen Musiktheatererfolge der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dabei war es weniger die politische Stoßrichtung von Büchners Revolutionsdrama über die Jakobinerdiktatur als die erhoffte Bühnenwirksamkeit, die Einem und seinen Librettisten Boris Blacher zu dem Sujet...
Musiktheatralisches begibt sich in Salzburg nicht nur auf den Brettern der Festspielhäuser, die «Konzertoper» liebt die Kirchen der Stadt, so die barocke Kollegienkirche. Die tief gestaffelte Akustik unter der Riesenkuppel des Kirchenraums wird zum «Handlungsträger» von Klangwundern. Und Luigi Nonos monumentaler «Prometeo» zum Appell, Musiktheater rein für die...
